An Brennpunkten: Zusätzliche Schilder sollen Leben retten

Drei Tote, sieben Schwerverletzte: Uelzens gefährlichste Straßen

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Drei Tote seit 2007: Sven Penkert und Rolf Meyer stellen an der L 250 die Schilder auf, die Leben retten sollen.

Uelzen. Andreas Dobslaw kann sehr nüchtern über einen Verkehrstoten sprechen. Er spricht dann über den volkswirtschaftlichen Schaden von 1,1 Millionen Euro. Durch den Verlust der Arbeitskraft, Versicherungsleistungen, Unfallkosten und so weiter.

Baumaßnahmen zur Temporeduzierung: Die Kreuzung Bahnhofstraße/Ringstraße ist besonders für Radfahrer gefährlich.

Der Geschäftsführer der Unfallkommission für Stadt und Landkreis Uelzen hat in vielen Jahren als Polizist aber auch die emotionale, harte Seite von tragischen Verkehrsunfällen kennengelernt. Er weiß, wie es ist, wenn man in Uniform nachts um drei Eltern aus dem Bett klingelt, weil der Junior den Aufprall an einem Baum nicht überlebt hat. „Man kriegt die Bilder nicht aus dem Kopf“, sagt Dobslaw. Er meint die Blicke der Eltern, die oft schon eins und eins zusammenzählten und wüssten, dass wohl die schlimmste Befürchtung wahr geworden ist. Oder die Aufnahmen der Helmkameras von Motorradfahrern auf ihren letzten Metern.

Zehn Verletzte in drei Jahren: Abbiegen in Richtung Neu Ripdorf soll hier sicherer werden.

Es ist diese Mischung aus sachlicher Analyse und emotionaler Betroffenheit, die Dobslaws Schilderungen von der Arbeit der Unfallkommission in Stadt und Landkreis Uelzen besonders eindringlich machen. Und die klar machen, dass die Arbeit in dem unabhängigen Expertengremium für Dobslaw mehr als nur ein Job ist – und dass es mehr als nur um Schilder geht. 365 Tage im Jahr werten Unfallanalytiker der Polizei das Unfallgeschehen in der Region aus. Sie tragen in digitalen Steckkarten Informationen zu Unfällen zusammen – eine wichtige Quelle für die Arbeit der Unfallkommission, die bundesweit gesetzlich verankert ist und deren Arbeit nachweislich das wirksamste Instrument ist, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen.

Dies gilt in Uelzen nach der jüngsten Zusammenkunft der Verkehrskommission zunächst für drei Stellen. An der Landestraße 250, Uelzen in Richtung Ebstorf/Westerweyhe, wird ab sofort die Geschwindigkeit auf 80 Stundenkilometer reduziert. Dass die entsprechenden Schilder bereits gestern aufgestellt wurden, spricht laut Dobslaw für die „Brisanz“ – drei Menschen starben seit 2007 auf dem kurzen Straßenabschnitt.

An der Kreuzung Ripdorfer Straße und Birkenallee/Ostring sind es vor allem die Linksabbieger aus Richtung Johnsburg-Kreisel, die vor Unfällen geschützt werden sollen. Zu zehn Unfällen kam es hier in den vergangenen drei Jahren. Die Kommission empfiehlt kurzfristig ein eigene Schaltung der Ampel für die Abbieger, mittelfristig aber sogar einen Kreisverkehr. Auch, um zusätzlich die Sicherheit der Schüler am Lessing-Gymnasium und die der Radfahrer zu erhöhen.

An der Kreuzung Bahnhofstraße/Ringstraße sind in den vergangenen drei Jahren sechs Personen zum Teil schwer verletzt worden. Durch Autofahrer wurden insbesondere Radfahrer und Fußgänger verletzt. Baumaßnahmen zwischen der Telekom und Ramelow sollen das Tempo auf der Straße drosseln.

Weiter beobachten wird die Unfallkommission zunächst das Unfallgeschehen am Hammersteinplatz und am Kreisverkehr an der Greyerstraße sowie weitere unfallträchtige Stellen im Landkreis.

Von Steffen Kahl

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