Seit 25 Jahren leben Franziskaner-Minoriten in Uelzen / Zum Jubiläum gewähren sie der AZ Einblicke in ihr Ordensleben

Drei Mönche und ein Klosterkater

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Pater Dariusz Burdalski (von links), Pater Piotr Stepniak und Przemyslaw Przygodzki leben als Franziskaner-Minoriten im Uelzener Kloster. Vor 25 Jahren übernahmen erstmals Mönche die katholische Seelsorge.

Uelzen. Plötzlich ist ein Maunzen zu hören. Erst leise, dann kräftiger. Bestimmter. Pater Piotr muss schmunzeln. Das sei sein Kater, sagt der Franziskaner-Mönch und verrät: „Er heißt Robin – wie Robin Hood.“ 

Ein Kater in einem Kloster? Ein Klosterkater? Das hat die AZ nicht erwartet. Aber das Uelzener Kloster an der Alewinstraße hebt sich in Vielem von der klassischen Vorstellung eines Ordenshauses ab. Das Klosterleben mischt sich mit der Arbeit im katholischen Pfarramt. Trau- und Taufgespräche zwischen Rückzug der Mönche in die Kapelle zum Beten. Die Mönche kamen nach Uelzen aber genau mit dem Wunsch für die Gemeinde da zu sein. „Wir sind für die Menschen da“, sagt Pater Piotr. Und dies inzwischen seit einem Vierteljahrhundert. Morgen jährt sich zum 25. Mal die Übernahme der katholischen Seelsorge in Uelzen durch Mönche.

Robin entdeckt in der Küche den Besuch – schnuppert und schnurrt. Die AZ ist willkommen, nicht nur beim Kater. Pater Piotr gewährt Einblicke in sein Leben und „das seiner Brüder“. Sie sind Franziskaner-Minoriten, die im Sinne des heiligen Franz von Assisi leben und einen „Weg in brüderlicher Gemeinschaft“ gehen. Sie werden auch die schwarzen Franziskaner genannt – nach der Farbe ihres Gewandes. Tunika, spitz zulaufende Kapuze und das Cingulum: eine um die Hüfte gebundene Kordel mit drei Knoten. Sie stehen für Keuschheit, Armut und Gehorsam; die Mönche leben nach diesen Prinzipien.

Pater Piotr, der zugleich für den Landkreis Uelzen der katholische Pfarrer ist, stammt wie seine Mitbrüder aus Polen. Unweit der Hauptstadt Warschau wuchs er in Teresin auf. Der Franziskaner-Minorit Maximilian Maria Kolbe (siehe Hintergrund) baute nahe des Dorfes mit anderen Mönchen Anfang des 20. Jahrhunderts die Klosteranlage Niepokalanów auf, heute ein beliebter Wallfahrtsort.

Das Leben nahe des Klosters prägt Pater Piotr als Kind. Er studiert Theologie in Warschau, der Ruf ereilt ihn. Mit der Frage, welcher Orden ihm und seinem Glaubensverständnis entspricht, muss er sich nicht lange beschäftigen: Er folgt den Franziskanern seiner Heimat. „Ich hatte es vor Augen“, sagt er.

In der Küche des Klosters zieht nicht nur Kater Robin seine Runden. Am Essenstisch sitzt Czeslaw Budek. Er ist zurzeit „Gast“ des Klosters, er vertritt einen erkrankten Pfarrer im benachbarten Landkreis Gifhorn. Alleine wolle er aber nicht in einer Wohnung leben, sagt er. Die Franziskaner-Minoriten leben in Gemeinschaft, ohne sie fehlt ihnen etwas. „Sie ist wie eine Familie“, sagt Pater Piotr. Der „Gast“ Czeslaw Budek darf getrost als Mitbegründer des Uelzener Klosters bezeichnet werden. Er gehört zu den ersten Brüdern, die sich in Uelzen niederließen.

Ab 1904 entstand die katholische Erlöserkirche an der Alewinstraße, ein Pfarrhaus in Backstein-Optik wurde daneben errichtet. Bis 1991 wohnten dort weltliche Pfarrer, die die katholische Gemeinde in Uelzen betreuten. Im Jahr nach dem Fall der Mauer änderte sich dies. Mönche zogen ein. Mit Czeslaw Budek wurde damals ein Franziskaner-Minorit aus der Provinz Warschau vom Orden gefragt, ob er sich nicht Seelsorge im benachbarten Deutschland vorstellen könne. Er ging wie auch Pater Piotr, als er gefragt wurde – er erinnert an den Dritten Knoten des Cingulums: Gehorsam. „Dabei geht es nie um blinden Gehorsam.“ Gott weise einem den Weg.

Mit dem Aufbau des Klosters wurde nicht nur die Betreuung der Gemeinde sicher gestellt. „Es war auch Zeichen der Versöhnung zwischen Deutschland und Polen“, so Pater Piotr. Das Kloster wird nach dem Minoriten Kolbe benannt, der sein Leben für andere gab.

Im Laufe der Jahre wuchs das Gebiet, um das sich die Mönche kümmerten. Inzwischen umfasst es den gesamten Landkreis Uelzen. Rund 6300 Katholiken leben in ihm, Tendenz sinkend. Pater Piotr hält es für möglich, dass der Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg in absehbarer Zeit ebenfalls von den Uelzener Mönchen betreut wird.

Es ist fast Mittag. Zeit für den Abschied von den Brüdern. Zum Ordensleben gehören feste Zeiten für das Beten. Am Morgen wurden Psalmen aus der Bibel in der Kapelle gebetet. Aus der Kirchengemeinde waren dazu auch Gläubige gekommen. In Uelzen ist das Klosterleben mit der Kirchengemeinde verwoben, findet nicht hinter verschlossenen Türen statt. Und doch verwundert es, dass in der Hansestadt Mönche leben. Pater Piotr erzählt davon, wie er im Gewand angetroffen wurde und die Frage lautete: „Bist du echt?“

Von Norman Reuter

So leben Franziskaner-Minoriten in Uelzen

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