Von den ersten Jungtieren nach 48 Jahren im Kreis ist bereits eines tot

Drama im Kirchweyher Storchennest

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Vorsichtig und scheinbar liebevoll füttern die Storcheneltern ihren Nachwuchs auf der alten Schmiede am Ortsrand von Kirchweyhe.

Uelzen-Kirchweyhe. Einer der Kirchweyher Jungstörche ist tot. Es war mittags gegen 12.30 Uhr, als er aus dem Nest, das sich auf dem Schornstein der ehemaligen Schmiede befindet, stürzte.

Ist er einfach nur so aus dem Nest gefallen, oder wurde er in den Tod gestürzt, weil es seine Eltern nicht mehr schaffen, alle Jungstörche – es scheinen noch zwei im Nest zu sein – durchzufüttern? Diese Frage wird wohl für immer ungeklärt bleiben.

„Eigentlich“, sagt Karl-Heinz Köhler, Vorsitzender des NABU Uelzen, „ist der Kirchweyher Standort ziemlich ungeeignet, denn das Nahrungsangebot ist dort nicht gerade groß.“ Nur zwei kleine Bäche fließen durch das Dorf, die Ilmenau ist knapp einen Kilometer entfernt, Feuchtwiesen fehlen in unmittelbarer Nähe. Und auch, wenn der Radius, den Störche auf Futtersuche fliegen, relativ groß ist, haben es die Kirchweyher Störche doch schwer, an Nahrung zu kommen. „In der Wipperau-Niederung und an den Bodenteicher Seewiesen hätten es die Störche wesentlich einfacher, aber sie haben sich nun einmal Kirchweyhe ausgewählt,“ sagt Karl-Heinz Köhler. Insgesamt gibt es im Landkreis Uelzen rund 20 Nisthilfen für Störche, erst im vergangenen Herbst hatten die Emmendorfer eine Nisthilfe aufgebaut, doch die Störche, die schon 2014 mit dem Nestbau in Kirchweyhe begonnen hatten, kehrten dorthin zurück.

„Störche haben eine Nesttreue. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie immer wieder dorthin zurückkehren“, so Karl-Heinz Köhler. Die letzte erfolgreiche Aufzucht von Jungstörchen hatte es im Landkreis Uelzen übrigens 1967 in Nestau gegeben, danach hatten sich die Störche rar gemacht.

In Kirchweyhe waren 1917 das letzte Mal Störche gewesen. Fast ein Jahrhundert hat es also gedauert, bis sie wiedergekehrt sind. Die Kirchweyher beobachten nun gespannt, wie es im Nest auf der Schmiede weitergeht, wo die Jungstörche die Hälse recken, wenn die Storcheneltern mit Futter zurückkehren.

Von Dirk Marwede

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