Doppelt lernt besser

Die am 1. Februar im Lessing-Gymnasium eingeführten Doppelstunden ermöglichen mehr Gruppenarbeit und machen den Schulalltag entspannter – so lautet das erste Fazit am LeG.

Uelzen - Von Bernd Schossadowski. „Der Schulalltag ist überschaubarer und entspannter geworden“, sagt Xenia Rasinkin, Zwölftklässlerin am Lessing-Gymnasium (LeG). Weniger Lernstress – und das ausgerechnet ein Jahr vor ihrem Abitur. Passt das zusammen? Xenia nickt eifrig: „Ja, das kommt durch die Doppelstunden.“ Die Entscheidung der Gesamtkonferenz der Schule, zum 1. Februar einen neuen Stundenplan im 90-Minuten-Rhythmus einzuführen, habe sich absolut ausgezahlt, meint die junge Frau.

Das LeG hatte nach Wegen gesucht, um den negativen Folgen der Einführung des Abiturs schon nach acht Gymnasialjahren entgegenzuwirken. Wachsender Lerndruck, verdichtete Unterrichtsinhalte und massenhaft Hausaufgaben: All das will das LeG mit der Einführung der Doppelstunden für die Klassen 5 bis 9 abmildern. Die Jahrgangsstufen 10 bis 13 sind mit diesem Modell indes schon vertraut.

Knapp zwei Monate nach dem Start ziehen Lehrer, Schüler und Eltern eine zufriedene Zwischenbilanz. „Der Schulalltag ist jetzt ruhiger. Es gibt weniger Raumwechsel, weniger Fächer pro Tag und dadurch auch leichtere Schulranzen, weil die Schüler nicht mehr so viele Bücher mitbringen müssen. Und die Netto-Zeit im Unterricht steigt“, berichtet Schulleiter Hans-Joachim Lepel.

Die Unterrichtsinhalte ließen sich in 90 Minuten methodisch besser strukturieren, pflichtet ihm Personalratsvorsitzender Sven Kablau bei. „Man ist nicht an das 45-Minuten-Korsett gebunden und die Schüler können konzentrierter lernen.“ So seien jetzt verstärkt Gruppenarbeit und die anschließende Präsentation der Ergebnisse möglich. Nur der Fremdsprachenunterricht erfolgt teilweise noch in Einzelstunden an mehreren Tagen. Hier sei eine häufigere Lernfrequenz pro Woche gerade für Sprachanfänger sehr wichtig, erklärt Lepel.

Ein positives Zwischenfazit des neuen Modells zieht auch Lehrer Volker Storck, Leiter des im LeG gebildeten Ausschusses für die Doppelstunden-Einführung: „Die Schüler nehmen viel mehr von dem mit nach Hause, was sie im Unterricht gelernt haben.“ Dass sie zwischendurch auf ihre gewohnte Fünf-Minuten-Pause nicht verzichten müssten, sei selbstverständlich, so Storck. „Wir können die Pause nun aber flexibel gestalten, zum Beispiel, wenn ein Arbeitseinschnitt erreicht ist.“

Von einer spürbaren Erleichterung sprechen die Schüler. „Man kann sich im Unterricht länger mit einem Thema befassen“, lobt Michel Meißner aus der 7b die Doppelstunden und die Gruppenarbeit. Ganz pragmatisch sieht es seine Klassenkameradin Johanna Tiedemann: „Man hat am Tag nicht mehrso viele Hausaufgaben in verschiedenen Fächern auf.“ Dieses Argument ist auch für Xenia Rasinkin entscheidend. „Dadurch ist die Motivation höher“, findet sie.

Voll des Lobes für das neue Modell ist auch Christiane Rhode, Elternratsvorsitzende des LeG. Es sei der ausdrückliche Wunsch der Eltern gewesen, Doppelstunden einzuführen, betont sie. Drei Jahre lang sollen diese nun erprobt werden. Danach will das LeG prüfen, ob der Lernfortschritt der Schüler derselbe ist wie bei den Einzelstunden, und entscheiden, ob das neue System fortgesetzt wird.

Das Herzog-Ernst-Gymnasium (HEG) setzt ebenfalls auf Doppelstunden. „Wir wollen sie nach den Sommerferien einführen, sind dazu aber noch in der Beratung“, sagt stellvertretender Schulleiter Dieter Schwerdtfeger. Dabei plant das HEG jedoch ein etwas anderes Modell: Die dritten und vierten Stunden sollen Einzelstunden bleiben.

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