Verteidiger: Jan O. gesteht Doppelmord von Bodenfelde

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Das letzte Foto, das die von ihrem Sohn hat, ist zehn Jahre alt: Jan O., zu der 16 Jahre alt, trägt seinen kleinen Bruder.

Bodenfelde/Uelzen. Jan O. hat den Doppelmord von Bodenfelde gestanden. Vor dem Untersuchungsrichter am Amtsgericht Northeim habe der 26-Jährige umfassend ausgesagt, teilte die Staatsanwaltschaft Göttingen am Freitagnachmittag mit.

Mehr Informationen über das Geständnis sind noch nicht bekannt.

Jan O. hat die beiden Jugendlichen Nina und Tobias aus Bodenfelde kurz vor seiner geplanten Einweisung in eine Entziehungsklinik umgebracht. In den Wochen vor den Bluttaten habe Jan O. wiederholt gegen Bewährungsauflagen verstoßen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg. Deshalb habe die Justiz bereits beschlossen, den zur Bewährung auf freiem Fuß befindlichen 26-Jährigen vorübergehend wieder in einer Entziehungsklinik unterzubringen.

Der 26-Jährige hatte einen Alkoholrückfall, darüber hinaus hatte er fahrlässig ein Feuer gelegt. Zwar habe Jan O. damit gegen Bewährungsauflagen verstoßen, nichts habe aber auf eine Gewalt-Eskalation schließen lassen, sagte die Staatsanwältin.

Der Allgemeinen Zeitung Uelzen sagte die Mutter von Jan O. unterdessen, auf dem Computer ihres Sohnes habe sie „Seiten mit kleinen Mädchen gesehen“.

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Die Polizei geht davon aus, dass Jan O. (26) weiter gemordet hätte, wenn er nach den Morden an Nina und Tobias nicht gefasst worden wäre. Die Mutter, Andrea O., will solche Aussagen nicht wahrhaben, sagt der Allgemeinen Zeitung Uelzen: „Ich hoffe so, dass es die beiden einzigen waren, die er umgebracht hat.“ Im Gespräch mit der Zeitung erzählt die 52-Jährige aber auch, dass ihr Sohn schon immer auffällig war - aber eben auch ein Opfer der zerrütteten Familienverhältnisse sei.

Über die Kindheit von Jan O. berichtet sie, dass er sich immer schon an Kleinere gehalten habe. Als sie einmal unbemerkt den PC ihres Sohnes überprüfen konnte, habe sie „dann auch solche Seiten mit kleinen Mädchen gesehen“.

Jan O. will derweil am heutigen Freitag ein umfassendes Geständnis ablegen. Sein Mandant habe sich entschlossen, reinen Tisch zu machen, sagte Anwalt Markus Fischer. Der 26-Jährige werde voraussichtlich auch Einzelheiten der Taten schildern, soweit er sich daran erinnern könne. Jan O. werde von Gewissensbissen geplagt. Im Gespräch mit ihm habe der Beschuldigte zugegeben, die Jugendlichen in der vergangenen Woche getötet zu haben, sagte Fischer. Zum möglichen Motiv des jungen Mannes sagte der Jurist nichts.

Die Vernehmung des mutmaßlichen Mörders durch die Richter hat am Mittag im Amtsgericht Northeim begonnen. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, ist der 26-jährige Jan O. dort mit seinem Anwalt. Es wird erwartet, dass der junge Mann ein Geständnis ablegt. Nach dpa-Informationen könnte die Aussage mehrere Stunden dauern, falls Jan O. nicht nur die Taten, sondern auch seine Lebensgeschichte schildern sollte. Die Ermittler halten den 26-Jährigen für psychisch gestört. Falls Sachverständige in einem möglichen psychiatrischen Gutachten zum selben Schluss kommen, droht dem 26-Jährigen keine Haft. Dann käme er in den Maßregelvollzug in ein Landeskrankenhaus.

Die Menschen in Bodenfelde haben derweil am Vormittag Abschied von der 14-jährigen Nina B. genommen. Der Sarg der Jugendlichen war für die Trauerfeier in der Christus-Kirche aufgestellt. Laut Polizei nahmen über 300 Menschen an dem Trauergottesdienst teil, darunter viele Schüler und Lehrer der Heinrich-Roth-Gesamtschule.

Fotos: Lichterkette: Abschied von Nina

Lichterkette in Bodenfelde: Abschied von Nina

Bevor der blumengeschmückte Sarg im Auto des Bestattungsunternehmens von der Kirche bis zum Friedhof gefahren wurde, hatten sich laut Polizei rund 400 Menschen mit brennenden Kerzen in der Hand im Spalier aufgestellt. Mit der menschlichen Kette unter dem Motto "Bodenfelde setzt ein Licht" säumten die Einwohner und Mitschüler in stillem Gedenken den letzten Weg der ermordeten Nina B. (jdx/ler/dpa/mak)

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