Im Medizinischen Versorgungszentrum ist man nach dem Arzt-Eklat um Normalität bemüht

„Er war wie vom Donner gerührt“

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Diese Mitteilung an der Praxistür hatte die Patienten schockiert – mittlerweile ist auch ohne Arzt wieder geöffnet.

Uelzen. Knapp eine Woche nach der überstürzten Praxis-Schließung durch den Ärztlichen Direktor ist die Verunsicherung unter den betroffenen Patienten noch immer groß –

und der Image-Schaden für das erst zu Jahresbeginn eröffnete Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) noch nicht abzusehen. Die Wartelisten bei Ärzten für Psychiatrie und Psychotherapie sind lang. Und entsprechend besorgt sind die Patienten von Helmut Schmidt, die nun befürchten, den Arzt ihres Vertrauens gewissermaßen Knall auf Fall verloren zu haben.

Am Freitag vergangener Woche hatte Schmidt, der Ärztlicher Direktor des MVZ ist, seine Praxis am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub gleich am Morgen wieder geschlossen und die Patienten nach Hause geschickt. Zuvor hatte es eine Unterredung mit dem Geschäftsführer Rino Grundei gegeben. Dieser habe ihm gekündigt, erklärte der Arzt nach dem Gespräch den überraschten Patienten – Grundei weist das nach wie vor zurück. Er hatte am Nachmittag durch die AZ von den Vorgängen in der Praxis erfahren.

„Wegen Krankheit bis auf weiteres geschlossen“, hatte der Ärztliche Direktor auf einem Zettel an der Eingangstür vermerkt. Nun hat sich Schmidt laut Grundei bis 19. Februar offiziell krank gemeldet, geöffnet hat das um Schadensbegrenzung bemühte MVZ die Praxis dennoch zwischenzeitlich wieder. „Dort stehen eine Arzthelferin und ein Psychotherapeut als Ansprechpartner bereit“, erklärt der MVZ-Geschäftsführer. Der Therapeut soll entscheiden, ob akute Fälle vorliegen und entsprechende Maßnahmen treffen. „Außerdem haben wir eine Vereinbarung mit niedergelassenen Ärzten und der Fachklinik getroffen, damit die ärztliche Versorgung gewährleistet wird“, betont Grundei. Die Situation ist ihm spürbar unangenehm, worum es in dem Konflikt mit seinem Ärztlichen Direktor geht, sagt er nicht – nur so viel: „Herr Schmidt hat sich bis 19. Februar krank gemeldet. Wenn er am 20. Februar noch krank ist, werden wir voraussichtlich dennoch diese ärztliche Leistung wieder anbieten können“ – vertrauensvolle Zusammenarbeit hört sich anders an.

Viele Patienten, die sich zwischenzeitlich bei der AZ meldeten, mögen derweil nicht glauben, dass ihr Arzt sie belogen haben soll: „Der war wie vom Donner gerührt und sagte uns, er müsse die Praxis sofort abschließen – so etwas denkt man sich doch nicht aus“, erklärt eine Betroffene, die an jenem Freitag im Wartezimmer saß. „Er war leichenblass und sichtlich schockiert“, schildert eine andere. Die Wahrheit werden die Betroffenen womöglich eines Tages vor dem Arbeitsgericht erfahren. Denn Schmidt ist beim MVZ als Angestellter tätig.

Von Thomas Mitzlaff

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