Hybriden im Landkreis Uelzen?

„Diese Politik vernichtet den Wolf“

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Tschechoslowakischer Wolfshund-Welpe im sogenannten „Wolfsgehege“ des Reinstorfer Biobauers Henning Bauck.

Uelzen/Landkreis. Der Gentest ist der Beweis für den Wolf. Wo immer ein Schaf gerissen wird – zuletzt sieben Lämmer in Bode bei Wriedel – werden DNA-Proben genommen, bevor der Halter auf Entschädigung vom Land hoffen kann.

Ob der allzu aufdringliche Kurti, der durch eine Polizeikugel starb, oder seine Artgenossen allerdings überhaupt reinrassige Wölfe sind, daran sind zuletzt Zweifel aufgekommen (AZ berichtete). Der Wichmannsburger Jäger Andreas Wilkens ist überzeugt, dass sie Hybriden sind, die das Erbgut aus der Kreuzung mit Hunden oder Wolfshunden in sich tragen. In diesem Zusammenhang kritisiert der deutsch-kanadische Wildbiologe und Wolfsexperte Valerius Geist die Fixierung der Behörden auf den Gentest.

Sind die Wölfe in der Heideregion Nachfahren von Kreuzungen mit Hunden oder Wolfshunden?

Aus Sicht des NLWKN, des vom Niedersächsischen Umweltministerium beauftragten Landesbetriebs, gibt es keine Hinweise auf eine Hybridisierung, betont Sprecher Achim Stolz auf AZ-Nachfrage. Studien belegten die Herkunft der seit dem Jahr 2000 in der Lausitz nach Deutschland eingewanderten Wölfe aus dem baltischen Raum. „In der deutschen Wildbahn kam es seit der Rückkehr der Wölfe bisher erst einmal, in 2003, zu einer Verpaarung zwischen einer Wölfin und einem Hunderüden“, so Stolz. „Zwei der Welpen wurden eingefangen, die anderen haben in der Natur nicht überlebt.“ Auch sie seien genetisch eindeutig zu unterscheiden gewesen.

Jäger Wilkens hatte seine These auf aktuelles Bildmaterial aus dem Landkreis Uelzen und den Nachbarkreisen gestützt. Demnach weisen Kopfform, Ohrfarbe, Körperhaltung und Pfoten auf eine Vermischung mit Hunden. Dazu erklärt Behördensprecher Stolz: „Zu den genannten Merkmalen lässt sich sagen, dass Wölfe, ebenso wie andere Tiere, keine starren Körperhaltungen haben.“ Das gelte für die Haltung des Kopfes, die Stellung der Ohren ebenso wie für den Schwanz, in der Jägersprache Rute genannt. „Die Rute dient ebenfalls der Kommunikation und ist daher sehr flexibel. Im Ruhezustand hängt sie relativ gerade nach unten“, schreibt Stolz. Auch die Färbung variiere stark.

Wildbiologe Valerius Geist überzeugt das nicht. „Was genetische Studien anbetrifft, so können diese nicht über Hybriden und reine Wölfe entscheiden“, betont der 78-jährige Wissenschaftler. In der Sowjetunion und der Tschechoslowakei seien Wölfe und Schäferhunde für Militär und Polizei gekreuzt worden. „Und das bedeutet, dass man weit nach Osten in Russland oder sogar nach Westsibirien gehen muss, um noch unverdorbene Wölfe zu finden.“ Geringe genetische Abweichungen könnten aber große Unterschiede mit sich bringen, Beispiel Mensch und Schimpanse. Auch Stolz hatte eingeräumt, dass Hybriden sich möglicherweise weniger scheu und aggressiver verhalten.

Wenn Geist recht hat, steht der bisherige Umgang mit dem Wolf in Deutschland in Frage: „Diese Politik vernichtet den Wolf als natürliche Art“, ist der Wildbiologe überzeugt. „Denn der Wolf kann sich in besiedelter Landschaft auf lange Sicht nicht halten, weil er zunehmend mit Hunden verbastardiert wird. Man erhält den Wolf nicht, wenn man Mischlinge schützt.“

Von Gerhard Sternitzke

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