Die Landwirte Matthias und Florian König aus Vorwerk sehen im Wegfall der EU-Regelung Chancen

„Die Milchquote war ein Bremser“

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Matthias König (Bild) und sein Bruder Florian wollen nach dem Ende der Milchquote ihren Milchviehbestand aus eigener Nachzucht auf 300 Tiere erhöhen.

Vorwerk/Landkreis. Milchseen und Butterberge sollte die Quote bei ihrer Einführung in den 80er Jahren verhindern. Zum 1.  April fällt die Regelung zur Begrenzung der Milchproduktion in der EU.

Die Landwirte Matthias und Florian König aus Vorwerk sehen darin vor allem Chancen für ihren Betrieb.

„Die Milchquote war für uns ein Bremser“, meint Matthias König. Die Nachfrage nach Milch sei in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, aber Landwirte hätten noch eine sogenannte Superabgabe – eine Strafzahlung für zu viel produzierte Milch – zahlen müssen, wenn sie für den gestiegenen Bedarf produzierten. „Auch für das letzte Jahr wird nochmal eine Strafzahlung auf uns zukommen“, berichtet Florian König. Sie hätten sich aber bewusst gegen den Ankauf von Milchquoten entschieden, weil sie mit 17 bis 18 Cent pro Liter fast genau so viel kosteten wie die Strafzahlungen der Superabgabe. „Da merkt man schon, dass das Quotensystem nicht mehr funktioniert hat“, stellt Florian König fest.

In die Zukunft ihres Ackerbau- und Viehbetriebs haben die Brüder bereits vor zwei Jahren investiert: „Als wir hörten, dass die Milchquote fällt, haben wir uns entschlossen, einen weiteren Stall zu bauen“, berichtet Matthias König. Momentan werden täglich 230 Milchkühe gemolken.

Der Plan ist den Bestand aus der eigenen Nachzucht auf 300 Tiere auszubauen.

Der Milchpreis ist zwar in den letzten Monaten auch auf-grund des Russlandembargos auf 27 bis 28 Cent pro Liter gesunken. „Langfristig wird er sich aber bei über 30 Cent einpendeln“, ist sich Florian König sicher, „ein Preis mit dem wir gut Leben können.“ Die Märkte seien insbesondere in Asien und Russland vorhanden. „Rein klimatisch ist es für viele Länder gar nicht möglich, selbst den Bedarf zu decken“, meint Florian König. Für 2016 geht er aber erstmal davon aus, dass der Milchpreis fallen wird. Die Berliner Milch-Einfuhrgesellschaft, an die sie ihre Milch liefern, rechne mit einem Sinken der Preise um sieben Prozent.

„Die Milchquote hat diejenigen, die am Euter sitzen, nur Geld gekostet“, meint Kreis-Bauernverbands-Vorsitzender Thorsten Riggert. Sie habe weder das Höfesterben verhindert noch sei sie flexibel genug gewesen. Tatsächlich sei sie zur „Agrarsozialpolitik“ verkommen. Sie habe vor allem denen geholfen, die auf ihre Produktion verzichteten und ihre Milchquote weiterverkauften. Chancen sieht er für die Landwirte: „Wenn eine Mindestgröße da ist, werden die Bauern vom Wegfall profitieren.“ Dass riesige Stallanlagen entstehen, befürchtet er nicht. „Im Rindviehbereich ist es Gott sei Dank nicht so einfach möglich, 1000 auf den Haufen zu stellen.“

Von Lars Lohmann

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