„Die Branche ist hilflos“

Neue Konzepte für die Sicherheit in Zügen fordert der Metronom nach dem jüngsten Übergriff.Archivfoto: Ph. Schulze

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Nach der brutalen Attacke auf eine Schaffnerin im Metronom hat die Uelzener Eisenbahngesellschaft einen neuen Umgang der Verkehrsbetriebe mit dem Thema Gewalt gefordert.

„Die Branche steht bislang weitgehend hilflos vor diesem Problem und schweigt es lieber tot“, erklärt Metronom-Sprecherin Tatjana Festerling gegenüber der AZ. Dabei seien Übergriffe in den Zügen landesweit längst alltäglich: „Unsere Mitarbeiter werden beschimpft, bespuckt, mit Abfall beworfen und immer wieder auch tätlich angegriffen“, schildert Festerling. Trauriger Höhepunkt war vergangenen Freitagfrüh ein Vorfall in einem Metronomzug von Hamburg nach Bremen, bei dem drei junge Schwarzfahrer eine Fahrgastbetreuerin niederschlugen und sogar weiter auf sie einprügelten, als die Frau schon verletzt auf dem Bahnsteig der kleinen Ortschaft Lauenbrück lag. Die 38-jährige Zugbegleiterin musste ins Krankenhaus eingeliefert werden, die Täter wurden später in Bremen gefasst (AZ berichtete).

Dass junge Männer in einem morgendlichen Pendlerzug eine Mitarbeiterin zusammenschlagen sei eine neue Qualität der Gewalt, sagt Festerling: „Darauf werden wir reagieren und wir werden versuchen, die gesamte Branche mit einzubeziehen.“ Die bisherigen Konzepte setzten darauf, dass man den Verstand der Menschen noch erreiche und mit deren Vernunft rechne, „aber bei diesen unvermittelten Gewaltausbrüchen funktioniert das nicht und selbst eine aufwändige Videoüberwachung würde da nicht abschrecken“, sagt die Metronom-Sprecherin und verweist auf die tödliche Messerattacke im Hamburger S-Bahnhof Jungfernstieg.

„Es ist höchste Zeit, auf diese gesellschaftliche Entwicklung zu reagieren, die Fakten auch zu benennen und bei den Konsequenzen auch heilige Kühe zu schlachten“, fordert Festerling. So müsse das Personenbeförderungsgesetz dringend geändert werden: „Es kann doch nicht sein, dass wir wegen der Beförderungspflicht gezwungen sind, die Schläger von Lauenbrück weiter in unseren Zügen fahren zu lassen“, nennt die Pressesprecherin ein Beispiel. „In einem solchen Fall muss ein präventiver Beförderungsausschluss möglich sein, allein schon zum Schutz unseres Personals.“

Festerling weiß, dass sie mit ihren Forderungen zunächst auf viele Widerstände stoßen wird. Doch das war auch schon bei der Einführung des Alkoholkonsumverbotes in den Metronomzügen so, für das mittlerweile die politische Unterstützung parteiübergreifend wächst.

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