Kita-Volksinitiative fordert in Kultus-Ausschuss des Landtages eine Erzieherin auf sieben bis acht Kinder / Mitinitiator aus Rassau

„Die Ansprüche sind wahnsinnig gestiegen“

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Mehr als 100 Erzieherinnen und Eltern nahmen an der Anhörung im Kultusausschuss teil.

stk Uelzen/Hannover. Drei Minuten. Soviel Zeit bleibt einer Erzieherin rein statistisch für jedes Kind. Das rechnet die Kita-Volksinitiative vor. Denn bislang betreuen zwei Erwachsene eine Regel-Kindergartengruppe mit 25 Kindern. Viel zu wenig, findet die Volksinitiative.

Sie fordert mehr Personal und kleinere Gruppen. Am Freitag trugen Vertreter der Volksinitiative ihre Forderungen im Kultusausschuss des Landtages in Hannover vor. Worum es geht, erklärte gestern der ehemalige Rassauer Frank Traffa, einer der Initiatoren der Volksinitiative.

Der Gesetzgeber habe den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz eingeführt, nun müsse auch die Qualität der Betreuung verbessert werden, meint der 39-Jährige, selbst Vater von drei Kindern im Alter von 9 bis 13 Jahren. „Die Ansprüche sind wahnsinnig gestiegen. Früher fand Erziehung überwiegend im Elternhaus statt, das hat sich in die Kitas verlagert“, gibt Traffa zu bedenken. Eltern hätten hohe Erwartungen in die Betreuung. Und die Erzieherinnen seien zunehmend mit verhaltensauffälligen Kindern konfrontiert. Hinzu komme die pädagogische Vor- und Nachbereitung. „Der Leidensdruck ist groß“, weiß Traffa, der sich als Leiter des Referats Jugendhilfe und Sozialarbeit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) engagiert hat.

Die Volksinitiative fordert deshalb eine Erzieherin auf sieben bis acht Kindergarten- oder Hortkinder ab drei Jahre, für die Krippen eine Erzieherin auf vier Kinder – oder drei Kinder im Alter bis anderthalb Jahre. Dafür legte die Initiative im Oktober 110 000 Unterschriften insbesondere von Erzieherinnen und Eltern aus ganz Niedersachsen vor und zwang damit die Landespolitiker, sich mit ihrem Anliegen zu befassen. Notwendig wären 70 000 Unterschriften gewesen. Zu der Anhörung kamen über 100 Erzieherinnen und Eltern.

„Die Botschaft der Kita-Volksinitiative, Rahmenbedingungen für eine gute Bildung von Anfang an zu schaffen, ist bei allen Fraktionen im Niedersächsischen Landtag angekommen“, bestätigte der Bienenbütteler Landtagsabgeordnete Heiner Scholing, kinderpolitischer Sprecher der Grünen. „Die Verbesserung der Förderung von frühkindlicher Bildung bleibt ganz oben auf der Tagesordnung, wenngleich es nicht leicht wird“, so Scholing.

Dabei verweist er auch auf die Finanzen: „Zur Verbesserung der Rahmenbedingungen von frühkindlicher Bildung sind wir auf Mittel des Bundes angewiesen. Wir werden uns dafür stark machen, dass die für die Bildung ausgewiesenen Mittel tatsächlich auch für die frühkindliche Bildung eingesetzt werden.“

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