Prozess gegen zwei Heranwachsende – Höhepunkt einer Verrohung auf Uelzens Straßen

„Den Tod in Kauf genommen“

Aufwändige Beweisführung: Zunächst bis Ende Februar wird der Uelzener Fall im Landgericht Lüneburg verhandelt. Archivfoto:Behns

Uelzen/Lüneburg. Ein Schädel-Hirn-Trauma ersten Grades, eine Fraktur der Stirnhöhle, ein Nasenbeinbruch mit höhergradigem Weichteilschaden sowie offene Wunden im Oberlippenbereich – ein 41-jähriger Uelzener Busfahrer hat diese Verletzungen überlebt.

Die beiden Männer, die sie ihm beibrachten, misshandelten sein Gesicht mit einer Bierflasche und mit den Füßen – ab 22. November müssen sie sich vor dem Landgericht Lüneburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat die 18 und 19 Jahre alten Uelzener wegen versuchten Totschlags angeklagt – denn sie hätten den Tod ihres Opfers billigend in Kauf genommen.

Der Prozess vor der 1. großen Jugendkammer ist das Resultat einer Verrohung auf Uelzens Straßen, die die Polizei seit längerem mit Sorge verfolgt. Die beiden Angeklagten stehen schon lange im Visier der Ermittler. Sie gehörten zur so genannten „Douglas-Bande“, die sich regelmäßig vor der gleichnamigen Parfümerie in der Innenstadt trifft und Geschäftsleute in Angst und Schrecken versetzt. Die Bande ist auf Ärger aus, beleidigt Ladeninhaber, wirft deren Auslagen um. Und in wechselnder Besetzung geht es abends und nachts los auf Prügeltour. „Die wollten nur eins: provozieren und zuschlagen“, schildert ein Ermittler. Immer wieder fallen die Heranwachsenden auf, werden auch schon mal vorläufig festgenommen, das Amtsgericht Uelzen sprach erste Urteile.

In den frühen Morgenstunden des 2. Juli eskaliert dann die Situation. Laut Staatsanwaltschaft hatten vier Angreifer unweit der Gudesstraße einen Mann auf den Boden gedrückt und ihm zweimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Als das Opfer wieder aufstehen konnte, habe einer der Angeklagten ihm und seiner Freundin „geraten“, sich in Richtung eines dunklen Parks zu begeben. Der 41 Jahre alte Busfahrer, der zufällig Zeuge des Vorfalls wurde, habe daraufhin Schlimmeres befürchtet und den Mann sowie dessen Freundin zu einer nahegelegenen Kneipe geleitet – das wurde ihm zum Verhängnis.

Denn laut Anklage hat einer der Angeklagten daraufhin eine volle Bierflasche ausgekippt, ist hochgesprungen und hat sie dem 41-Jährigen seitlich gegen den Kopf geschlagen, woraufhin das Opfer zu Boden ging. Der zweite Angeklagte habe den Angriff fortgesetzt, indem er dem am Boden liegenden Opfer mit dem Fuß ins Gesicht trat. Als Türsteher der umliegenden Gaststätten zur Hilfe eilten, flüchteten beide Täter.

Einem Zeugen, der den Angriff verfolgt hatte, gelang es laut Staatsanwaltschaft, einen der fliehenden Angeklagten zu verfolgen und zu Boden zu reißen. Doch dann kamen Komplizen und befreiten ihren Kumpan, indem sie weitere Schläge und Tritte austeilten.

Von Thomas Mitzlaff

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