Von Woche zu Woche

Von unangenehmen Wahrheiten

Es sind keine einfachen Zeiten für Kommunen. Der demografische Wandel schlägt in einer ländlichen Region wie dem Kreis Uelzen voll durch, mit all seinen unangenehmen Begleiterscheinungen, mit denen sich die örtliche Politik und die Verbände konfrontiert sehen.

Es ist die Zeit, in der unpopuläre Entscheidungen getroffen werden müssen, mit denen man sich keine Freunde macht. Die Uelzener Stadtpolitik bekommt das gerade beim Thema Grundschulschließungen zu spüren. Doch, immerhin: Sie stellt sich dem Problem.

Diesen Mut haben nicht alle. Beispiel: die Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf. Dort wurde Mittwochabend der 87-seitige Entwurf eines unabhängigen Unternehmens vorgestellt, das den Anspruch erhebt, Stärken und Schwächen der drei Kommunen zu analysieren und daraus künftige Schwerpunkte zu entwickeln.

Dass man das Papier wochenlang geheim hielt und nun maulte, weil die AZ vorab kritische Aspekte der Öffentlichkeit vorstellte – geschenkt.

Dass man aber nicht den Mut hatte, auch die unangenehmen Wahrheiten, sprich Einsparungsszenarien, den Bürgern am Mittwochabend vorzustellen, gibt dann doch zu denken.

Nun könnte man sagen, umso wichtiger, dass wenigstens die Presse ihrem im Grundgesetz verankerten Auftrag nachgekommen ist und die „Giftliste“ veröffentlicht hat – doch das Problem ist grundsätzlicher. Denn es zeigt, dass die Entscheidungsträger in Bevensen-Ebstorf offenbar nicht das Format haben zur schonungslosen Bestandsaufnahme und einem kritischen Blick nach vorne.

Stattdessen muss man Vorschläge wie Marmeladekochen und Ackerpflügen ertragen, mit denen man touristisch attraktiver werden will. Außerdem habe die Gesundheitswirtschaft für Bad Bevensen eine herausragende Bedeutung – welch epochale Erkenntnis.

Wie sehr man sich was vormacht, fasst ungewollt die Betriebsleiterin der Bad Bevensen Marketing GmbH in einem Satz begeistert zusammen: „Ein unabhängiges Unternehmen hat genau das gesagt, was wir auch erarbeitet haben.“ Man könnte den Satz fortsetzen: „Und wir wollen auch gar nichts anderes hören.“

Eine begrenzte Zeit kann diese „Sand-in-die-Augen-Strategie“ gutgehen. Aber irgendwann wird man auch in der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf die Bürger nicht mehr einlullen können, sondern das Kreuz breit machen und sie mit unangenehmen Wahrheiten konfrontieren müssen – wie es ja 2011 bei den Fusionsverhandlungen schon geschehen ist. Denn nur so kann man sich wirklich fit machen für die Zukunft in einem knallharten Tourismus- und Gesundheitswettbewerb.

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