Einrichtung nimmt Kündigung eines 74-jährigen Bewohners zurück

Demenzkranker in Uelzener Pflegeheim darf bleiben

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Der Weg im letzten Lebensabschnitt führt einen 74-jährigen Uelzener nun doch nicht fort aus dem Pflegeheim.

Uelzen. Ein 74-jähriger Demenzkranker wird nun doch nicht wegen „gröblicher schuldhafter Pflichtverletzung“ von einem Uelzener Altenheim vor die Tür gesetzt.

Das Landgericht Lüneburg bestätigte auf AZ-Nachfrage, dass es zwischen der Familie des Seniors und den Heimbetreibern eine außergerichtliche Einigung gegeben habe. Das Landgericht habe deshalb kein Urteil sprechen müssen. Über den Inhalt der Vereinbarung gab eine Gerichtssprecherin nichts bekannt.

Der Fall hatte wegen seiner Konstellation überregional für Aufsehen gesorgt. Denn die Betreuungseinrichtung wirbt ausdrücklich dafür, Menschen aller Pflegestufen sowie „demenziell erkrankte Menschen“ aufzunehmen. Sie hat eigens in einem besonders geschützten Bereich Plätze für Demenzkranke eingerichtet. Dort wohnt auch der 74-Jährige, der das Haus verlassen sollte. Begründung: Der alte Herr sei gegenüber Pflegepersonal gewalttätig geworden. Gegen diese Kündigung hatte die Familie des Betroffenen Klage vor dem Landgericht Lüneburg eingereicht. Zum einen könne ein Demenzkranker seine Pflichten nicht gröblich und schuldhaft verletzen, argumentierte der Anwalt der Familie. Zum anderen könne eine Einrichtung nicht ausdrücklich mit der Aufnahme aller Pflegestufen und von Demenzkranken werben und wenn es schwierig werde, eine Kündigung aussprechen.

Die zuständige Richterin hatte bereits auf einem Gütetermin im Mai angedeutet, dass sie eine gröbliche Pflichtverletzung durch den 74-Jährigen nicht recht sehe; daraufhin hatte es schon kurz nach der Verhandlung erste Gespräche zwischen beiden Parteien gegeben. Ergebnis: Der 74-Jährige darf in seinem vertrauten Umfeld, also dem Heim, bleiben.

Von Thomas Mitzlaff

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