Info-Börse im Rathaus will aufklären und möglichst vielen Uelzenern geeignete Hilfen zeigen

Demenz erkennen und damit leben

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Freuen sich auf viele Besucher bei der Info-Börse (v. l.): Petra Heinzel (Koordinatorin des Netzwerkes Demenz, Waldemar Signus (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Info-Börsen-Vortrag: „Die vielen Gesichter der Demenz“), Dirk Ammann (Ambulanter Pflegedienst), Gabriele Witt (Paritätischer Wohlfahrtsverband), Meike Riedel (Tagesdomizil am Stadtwald).

Uelzen. Von zig Demenzkranken im Raum Uelzen wissen die Mitglieder im Netzwerk Demenz, die Dunkelziffer schätzen sie deutlich höher. Demenz – das ist ein Teil des Problems – ist eine Erkrankung, deren Symptome vielfältig sind und deren Diagnose deshalb nicht einfach ist.

Zudem gehen weder Betroffene noch ihre Angehörigen offen damit um. Gabriele Witt vom Paritätischen Wohlfahrtsverband erklärt: „Diese Erkrankung ist vielen Menschen schlichtweg peinlich.“

Der Termin

Info-Börse Demenz
Mittwoch, 14. Oktober 2015, 14.30 Uhr bis 17.00 Uhr im Rathaus Uelzen, Ratssaal

Was genau peinlich werden kann, beschreibt Facharzt Waldemar Signus „Zum Krankheitsbild kann gehören, dass alltägliche Dinge auf einmal schwer fallen: sich anzuziehen oder zu waschen, essen oder Tisch decken. Es entstehen teils aggressive Verhaltensmuster oder andere Wesensveränderungen: Manche Patienten sind plötzlich enthemmt, entkleiden sich mitunter in der Öffentlichkeit. Sie halluzinieren, sie sehen oder hören also Dinge, die nicht da sind – Demenz, das wissen viele nicht, hat nur zum Teil mit einem schlechtem Gedächtnis zu tun.“

Häufig leiden Angehörige unter den geschilderten und weiteren Symptomen. „Sie betreuen dann oft 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, denn manche Patienten sind völlig verwirrt, haben einen Hang zum Weglaufen und sind auch noch nachts aktiv.“ Sowohl Patienten, als auch Angehörige versuchten aus Scham häufig eine heile Fassade aufrecht zu erhalten, was oft nur unter erheblichem Kraftaufwand möglich sei.

Keine Seltenheit seien völlig erschöpfte Ehefrauen, die ihren Mann ganz alleine pflegen oder soziale Kontakte, die aufgrund des Pflegeaufwandes vollständig abbrechen.

Dabei sind reichlich Hilfsangebote vorhanden: Allein im hiesigen Hilfsnetzwerk sind zehn Anbieter, die Beratungen, ambulante Pflege oder auch Tagespflege bieten.

Auf diese Angebote soll die 2. Info-Börse „Mit Demenz leben“ aufmerksam machen. Neben den professionellen Dienstleistern stehen in diesem Jahr erstmals auch Menschen Rede und Antwort, die selbst Angehörige von Betroffenen sind. Dieses Angebot solle möglichst viele Menschen dazu motivieren, die Börse zu besuchen. Denn darin sind sich alle Organisatoren einig: „Ein großes Problem ist die Hemmschwelle.“

Um diese zu überwinden sei es außerdem ein entscheidender Schritt, sich selbst einzugestehen, dass man ein Problem habe – denn erst dann könne man von anderen Rat und Hilfe bekommen.

Von Steffen Kahl

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