Zwischen SPD und UWG beginnt im Stadtrat jetzt die Selbstzerfleischung

Delekat: „Ich möchte nicht stören“

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Der Uelzener Stadtrat auf einer Sitzung im Ratssaal: Kommenden Montag bei der womöglich letzten Sitzung soll die Sitzordnung noch einmal geändert werden.

Uelzen. Die Ziellinie ist bereits in Sicht, am 11. September ist Kommunalwahl in Niedersachsen und somit wählt auch die Stadt Uelzen einen neuen Rat. Doch in der letzten Kurve geht der SPD/UWG-Gruppe nicht nur die Puste aus, vielmehr wird jetzt fleißig nachgetreten.

Jüngste Entwicklung: Joachim Delekat, Sprecher der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) möchte morgen auf der nächsten Sitzung des Rates lieber nicht mehr in der Nähe der Sozialdemokraten sitzen. Eine entsprechende Mail mit der Bitte um Veränderung der Sitzordnung hat er jetzt ans Rathaus geschickt – der Presse in cc zur Kenntnis.

Hintergrund für das Zerwürfnis ist der Wechsel der SPD-Urgesteine Ralf Munstermann und Herwig Maaß, die bei der Kommunalwahl für die UWG antreten, weil sie nach eigener Aussage bei der Wählergemeinschaft mehr Gestaltungsmöglichkeiten ohne Fraktionszwang sehen. Als Konsequenz hatte SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Knust erklärt, er werde die gemeinsame Arbeit beenden, weil „das ganz große Vertrauensverhältnis gestört“ sei (AZ berichtete). Außerdem hielten die beiden Abweichler Post, dass sie mit Ausschlussverfahren aus der SPD rechnen müssen.

Darauf geht Joachim Delekat jetzt in seiner Mail an die Stadtverwaltung ein und begründet den Wunsch nach einer Veränderung der Sitzordnung: „Da ich die vertrauliche Betriebsamkeit insbesondere in der ersten Reihe der SPD-Fraktion (...) allein durch meine unmittelbare Anwesenheit nicht stören möchte, bitte ich um Verständnis, dass ich (...) an einer anderen Stelle meinen Platz einnehmen möchte.“ Vorzugsweise, so der UWG-Sprecher weiter, „in Nähe zum Kollegen Jürgen Schirrmeister, da der Kollege auch für die UWG kandidieren wird“. Schirrmeister saß bislang für die Rentnerpartei im Rat.

Im Uelzener Rathaus geht man sachlich-kühl mit dem Ansinnen von Delekat um: Die Festlegung der Sitzuordnung sei in der Vergangenheit einvernehmlich festgelegt worden, ein solches Abstimmungsgespräch sei nun auch für Montag vorgesehen. Und: „Die Verwaltung wird flexibel auf die Entscheidung reagieren können und die notwendigen Vorbereitungen treffen.“

Gut möglich also, dass es auf der letzten Ratssitzung vor der Kommunalwahl noch einmal ein Stühlerücken gibt. Beginn ist am Montag um 19 Uhr.

Von Thomas Mitzlaff

Kommentar

Sandkastenspiele

Von Thomas Mitzlaff

Man wolle frei von Fraktionszwang Entscheidungen im Sinne der Stadt treffen, raus aus den verkrusteten Strukturen, hin zu reiner und freier Sacharbeit. Deshalb auch keine Plakate im Wahlkampf, sondern stattdessen Argumente. Was die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) verkündet, klingt erstmal alles sehr erfrischend und das kann Uelzens Stadtrat auch bestens gebrauchen. Doch was da gestern vom UWG-Sprecher kommuniziert wurde, irritiert dann umso mehr und ist weitaus weniger souverän. Der Betrachter fühlt sich in den Sandkasten zurückversetzt, nach dem Motto „der hat mir mein Schäufelchen weggenommen, deshalb spiel ich nicht mehr mit ihm“. So in etwa könnte man die Weigerung der UWG beschreiben, die letzte Stadtratssitzung noch auf dem alten Platz durchzuhalten, neben den plötzlich so unausstehlichen Sozialdemokraten. Wer ernst genommen werden will mit seinen Ansinnen, sollte sich nicht auf dieses Kindergartenniveau herablassen. Oder, wie man es im Sandkasten zu hören bekommen würde: Stell dich nicht so an und spiel weiter.

 

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