Resistente Erreger im Hühnertrockenkot: Fernsehteam bei Acker in Mehre

„Das Risiko ist enorm“

Ein Haufen des Anstoßes: Gleich mehrere resistente Erreger haben Forscher in den auf dem Acker gelagerten Hühnertrockenkot nachgewiesen. Fotos: Kaiser

Uelzen-Mehre. Die Kameraleute des NDR und vom ZDF sind vorbereitet: Sie packen Gummistiefel aus ihren Autos. Sie scheuen keine Mühen und begeben sich auf Augenhöhe zu denjenigen, die sie zu filmen habe. In diesem Falle sind es Hühner – da ist die Horizontale niedrig.

Dazwischen Landwirt Niels Odefey, der nicht müde wird zu erklären, dass er keine Werbung für seine Produkte nötig hat, dass die Motivation für sein Tun ausschließlich die ist, „dass dieser Schwachsinn aufhört. “ Die Rede ist von Riesenställen für Hühner. Der Anlass war die Ablagerung von Hühnertrockenkot durch einen benachbarten Landwirt nahe der Grundstücksgrenze zu Odefeys Ökobetrieb mit artgerechter Hühnerhaltung (AZ berichtete).

Medienoffensive: Ein Filmteam vom NDR war am Wochenende in Mehre vor Ort.

Diplombiologe Stefan Johnigk von der Bundesgeschäftsstelle „ProVieh“, dem Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung, hält die Gutachten in den Händen, die Odefey über drei Proben aus eben diesem Haufen hat erstellen lassen. Das Ergebnis ist niederschmetternd. In jeder Probe fanden sich gleich mehrere resistente Erreger, die sich als Bioaerosole auch durch die Luft verbreiten können. „In der Branche wird das runtergespielt“, sagt Johnigk, „aber das Risiko ist enorm. Inzwischen steht fest, dass Massentierhaltung sich auf Dauer als Gefährdung auch für den Menschen erweist.“ Das alles wird er später, unterstützt durch den Humanmediziner Dr. Thomas Fein, der aus dem Emsland anreiste, wo er genauso die Menschen der Region für dieses Problem zu sensibilisieren versucht, den Fernseh- und Presseleuten erklären.

Davor hat sich Niels Odefey durch seinen Hühnerschwarm schicken lassen. Er muss an besagtem Haufen, den inzwischen eine Plastikplane bedeckt, sein Statement abgeben, warum ihn dieses Corpus Delicti so aufregt. Der Landwirt tut es mit bewundernswerter Ruhe und erörtert quasi in der Wiederholungsschleife sein Anliegen. „ Es passiert so vieles hinter dem Rücken der Verbraucher“, sagt er. Er erinnert sich aber auch an einen Erfolg im Emsland, wo es gelang, einen Landwirt vom Stallbau abzuhalten.

Den Hühnern ist der ganze Medienauflauf egal; sie freuen sich über eine extra Portion Körner. Und während Niels Odefey und Stefan Johnigk hoffen, dass die Fernsehbeiträge wieder ein klitzekleines Stück Verbraucherbewusstsein verändern werden und die Politik endlich „Übersetzungshilfen für die Allgemeinheit“ liefert, angesichts aller veröffentlichten Untersuchungsergebnisse auf www.provieh.de, weiß das Federvieh in Mehre anscheinend, dass es bei ihnen den „Missbrauch von Tieren als Produktionsmittel“ nicht gibt.

Von Barbara Kaiser

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