„Das war Rassismus pur“

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Volle Tanzfläche in der Stadthalle: Doch nicht alle Besucher durften mitfeiern – wegen ihres Aussehens, kritisieren Betroffene.

Uelzen. Eigentlich wollte Urhan G. Freitagabend nur einen Bekannten von der Stadthalle abholen. Doch das Handy kann der Freund nicht hören beim Lärm der Abi-Vorfreude-Party von Schülern des Herzog-Ernst-Gymnasiums (HEG).

Deshalb will der 24-Jährige kurz hineingehen, seinen Freund suchen. Doch am Eingang weist ihn der Ordnungsdienst ab: „Er sagte: Ausländer kommen heute nicht rein“, empört sich Urhan G. Er hat einen deutschen Pass, ist in Uelzen geboren, seine Eltern sind türkischer Abstammung. Doch dem Sicherheitsdienst reichte offenbar der erste äußere Eindruck, um einen Besuch der Party zu verweigern.

Urhan G. ist kein Einzelfall: Bei der AZ meldeten sich gestern mehrere empörte Uelzener, denen es ebenso ergangen ist. In allen Fällen lautete der Grund für die Eintritts-Verweigerung: „Heute keine Ausländer.“ Selbst ein Elftklässler des HEG durfte nach AZ-Recherchen offenbar wegen seines asiatischen Aussehens nicht mitfeiern.

Hintergrund für den Eklat sind unter anderem gewalttätige Auseinandersetzungen bestimmter Gruppierungen bei früheren Veranstaltungen – so weiß die Polizei, dass jüngst bei der Feier der KGS Bad Bevensen rivalisierende Libanesen und Deutschrussen aufeinander losgegangen sein sollen, ein Beteiligter soll sogar mit einem Bierglas zugeschlagen haben – doch Strafanzeigen liegen den Ermittlern nicht vor.

Die HEG-Schüler hatten die Feier diesmal von einem Veranstalter ausrichten lassen. Der weist gegenüber der AZ den Vorwurf, Ausländern sei systematisch der Zugang verwehrt worden, zurück: „Eine solche Anweisung gab es nicht.“ Der Lüneburger Sicherheitsdienst selbst war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Urhan G. hatte den Vorfall am Freitagabend nicht auf sich beruhen lassen, sondern anschließend die Uelzener Polizeiwache aufgesucht. Er fühlt sich diskriminiert: „Das war Rassismus pur“, sagt er. Der 24-Jährige will jetzt Strafanzeige erstatten.

Die Polizei bestätigt, dass mehrere Betroffene empört bei der Wache vorstellig geworden waren. „Wenn bei uns Strafanzeigen erstattet werden, geht das seinen normalen Gang hier bei uns“, erklärt Polizeisprecherin Nicole Winterbur. Die Stadt, die für die Feier Auflagen erlassen hatte, erfuhr von der AZ von den Rassismusvorwürfen. „Wir haben den Sachverhalt recherchiert und werden das bei der Vorbereitung einer nächsten Veranstaltung dieser Art thematisieren“, sagt Verwaltungssprecherin Ute Krüger.

Von Thomas Mitzlaff

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