Hühnertrockenkot: Niels Odefey aus Mehre kritisiert Tatenlosigkeit des Landkreises Uelzen

„Das muss als Abfall deklariert werden“

Das Antibiotikum fließt über das Trinkwasser an den Nippeltränken und landet dann auf dem Boden. Der Dreck aus dem Stall landet dann im Hühnertrockenkot. Fotos: Huchthausen/Ph. Schulze

Hamborg/Mehre. Inzwischen liegt der Haufen unter einer grünen Plane, was sich darunter befindet, dass weiß Niels Odefey aus Mehre: Hühnermist. „Das muss als Abfall deklariert werden“, sagt der Hühnerhalter.

Er sieht durch den Hühnertrockenkot in seiner direkten Nachbarschaft eine Gefahr für seine Hühner, die auf dem Gelände frei herumlaufen.

„In fast jeder Hühnerkotladung sind Keime“, schildert Odefey. Deshalb hat er die Haufen in seiner Nachbarschaft wissenschaftlich untersuchen lassen und stellt die Ergebnisse heute Pressevertretern von ARD und ZDF vor. Gegenüber der AZ erklärt er bereits vorweg, welche Bedenken er hat: „Besonders der Bereich unter den Tränken in den großen Mast-ställen ist bedenklich.“ Der Grund: Das Antibiotikum, das an die Hähnchen verteilt wird, fließt über das Trinkwasser an den so genannten Nippeltränken. Doch da das Wasser beim Trinken auf den Boden spritzt, landet dort auch Antibiotikum. Am Ende geht das dann natürlich im Hühnermist, der schlussendlich an Landwirte weiterverkauft wird. Odefey spricht gar von „Hühnerkot-Tourismus“.

Kritisch sieht der Geflügelmäster aus Mehre den Antibiotika-Einsatz in Hühnerställen generell: „Es wird nicht kontrolliert“, beklagt er sich. Was bei Rindern und Schweinen inzwischen notwendig ist, gilt nicht für das Geflügel. „Die Tierärzte müssen die Abgabe von Antibiotikum nicht dokumentieren“, erläutert Odefey. Dieser tierische Abfall landete in Hamborg sogar auf einer Kuhweide. Düngerechtlich besteht zwar kein Verbot, aber „es wird nicht empfohlen und es ist in der landwirtschaftlichen Praxis nicht üblich“, sagt Jelko Djuren vom Prüfdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg.

Auch Anke Katrin Dreyer, Tierärztin beim Veterinäramt des Landkreises Uelzen, sieht erstmal keine Gefahr, denn schließlich ist der Hühnerkot zugelassen. „Die Landwirtschaftskammer achtet darauf, dass auf Weiden und Wiesen kein organischer Dünger ausgebracht wird“, sagt die Medizinerin. Doch liegt es in der Verantwortung der Landwirte. „Durch eine Aufnahme des organischen Düngers ändert sich die Flora des Tieres. Es ist laut Dreyer auch deshalb nicht verboten, weil eigentlich keiner auf die Idee kommt, den Dünger so zu verwenden. Doch in Hamborg hat der Landwirt Friedhelm Müller im vergangenen Jahr Hähnchenmist auf eine Weide ausgebracht, auf der eben Kühe und Rinder weiden. Die Nachbarn Herbert Berger und Hans-Dieter Bärwolf haben diesen Vorfall kritisch beobachtet und an die HTK-Watch-Gruppe aus Wriedel gemeldet. Den Hühnermist lässt sich der Landwirt anliefern. Genau darin sieht Niels Odefey das große Problem. Für ihn spricht gar nichts dagegen, wenn ein Landwirt, der einen eigenen Hähnchenmaststall besitzt, den Hühnerkot auf seinem eigenen benachbarten Acker ausbringt. „Der Landwirt wird dann schon aufpassen, was er auf sein Feld ausfährt“, sagt der Mehrer.

Nicht nur den Hühnerkot-Tourismus sieht er kritisch, sondern er ärgert sich über den Kontrollmechanismus. „Ich bin von einem zum anderen geschickt worden, getan wurde nichts“, beklagt er sich. Er habe ein Gutachten und weise die Ämter darauf hin, aber nichts passiert – schließlich landen die Keime irgendwann im Grundwasser.

Zuständig ist eigentlich die Untere Wasserbehörde. Doch er skizziert, wie umständlich die Zuständigkeitsbereiche aufgegliedert sind: „Für holländischen Trockenkot ist das Veterinäramt zuständig, denn er wird kontrolliert.“ Deutscher Trockenkot hingegen werde nicht kontrolliert. Für die Ausbringung sei die Landwirtschaftskammer in Oldenburg zuständig, für die Lagerung jedoch der Landkreis Uelzen.

Odefey geht davon aus, dass in der Mitte des Hühnerkothaufens, der an der Grenze zu seinem Grundstück lagert, der Matsch liegt, der das Antibiotikum beinhaltet. „Der benachbarte Landwirt hat mir Schläge angedroht, weil er nun gezwungen worden war, den Haufen abzudecken“, schildert Odefey das angespannte Verhältnis. Eigentlich erwartet der 61-jährige Mehrer, dass seitens des Landkreises besser kontrolliert wird. „Die Beamten müssen rauskommen und sich die Dinge vor Ort angucken“, sagt Odefey auch mit Blick auf Herbert Berger und Hans-Dieter Bärwolf aus Hamborg.

Mit Schlägen gedroht hat der Hamborger Landwirt Friedhelm Müller nicht – im Gegenteil: „Ich habe in diesem Jahr keinen Hühnerkot in Ortsnähe ausgebracht“, sagt der Landwirt, eben weil die Nachbarn sich vergangenes Jahr bei ihm beklagt hatten.

Müller hält den Hühnerkot allerdings für einen „natürlichen und guten Dünger“, mit dem sich auf den leichten Böden ein gutes Ergebnis erzielen lässt. Außerdem sei er eben sehr preiswert.

Von Jörn Nolting

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