Beim CJD Jugendmigrationsdienst Uelzen kommen täglich Menschen aus 100 Nationen zusammen

„Das Haus platzt aus allen Nähten“

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Hier spielt die Herkunft keine Rolle: Annika Quednau, Leiterin des CJD Jugendmigrationsdienstes, mit einigen Mädchen im Garten der Einrichtung.

Uelzen. Im Hause des CJD Jugendmigrationsdienstes (JMD) Uelzen an der Luisenstraße ist Mittagszeit, über 30 Kinder toben durch die Räume. Es ist bunt und multikulturell.

Sie sind Flüchtlinge, Migranten, Kinder aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien – doch ihre Herkunft ist hier nicht entscheidend, denn jeder ist willkommen, betont JMD-Leiterin Annika Quednau: „Wir würden nie jemanden vor der Tür stehen lassen, egal wie voll es hier ist!“.

Die Kinder haben die Möglichkeit hier Mittag zu essen, ihre Hausaufgaben zu erledigen und bis 17 Uhr Betreuung zu erfahren. Versorgung, die in ihren Elternhäusern oft nicht möglich ist. Dem JMD stehen oft nur zehn Euro für rund 30 hungrige Mäuler – bei steigender Zahl – zur Verfügung.

Viele der Flüchtlingskinder sind schwer traumatisiert. Sobald ein Flugzeug in der Ferne zu hören ist, zucken einige der Kinder zusammen, schildert Quednau. Sie hätten viel erlebt in ihrem jungen Alter. Dinge, die fernab jeglicher Vorstellung liegen. „Es gibt Kinder, die zusehen mussten, wie ihre Eltern vergewaltigt wurden“, berichtet sie.

Am Tag gehen hier rund 100 Menschen aus über 100 verschiedenen Ländern ein und aus, darunter viele Familien. „Wir versuchen für alles eine Lösung zu finden“, so auch mit den unzähligen Angeboten für Migranten und Flüchtlinge. Und dabei ist es immer ein Miteinander in Wechselwirkung: „Jeder kann sich einbringen, wie er möchte“, so Quednau. Der JMD entwickelt sich stetig weiter, das Programm wird ausgeweitet. Die Angebote, aber vor allem die Menschen, die einen Anlaufpunkt so dringend benötigen, werden immer mehr. Das Haus platzt aus allen Nähten. Eine größere Kleiderkammer und ein Lager für Möbel werden unter anderem benötigt, um Flüchtlinge versorgen zu können.

„Wir sind bis oben hin voll“, sagt Annika Quednau.

Die Leiterin hat viel zu berichten, sie ist seit 2009 beim JMD. Begonnen hat sie damals als Ehrenamtliche, nun besetzt sie eine von lediglich zwei festen Stellen des stark nachgefragten Dienstes. Ohne die vielen freiwilligen Helfer wäre das Projekt nicht tragbar. Dennoch wären mehr Fachkräfte unabdingbar, sie können von den Ehrenamtlern nicht ersetzt werden. „Teilweise wissen wir am Morgen nicht, wie wir den Tag bewältigen sollen“, sagt Quednau und hofft inständig auf Zuwachs für das Team. Doch dafür sind keine Gelder vorhanden. Der Dienst ist grundsätzlich auf Spenden angewiesen.

Ankommende Flüchtlinge werden vom Sozialamt betreut, dann kommen viele von ihnen zum JMD. Die sprachlichen Barrieren erfordern viele Dolmetscher, die das Haus in Kooperation mit der Diakonie stellen muss. Diese sind Ehrenamtliche, zumeist mit eigenen Migrationserfahrungen.

Offizielle Sprachkurse richten sich nur an Migranten und nicht an Flüchtlinge. Der JMD bietet deshalb ehrenamtliche Sprachkurse an, die sehr gut angenommen würden, erläutert Annika Quednau. Sie ist überzeugt , dass Deutschland und die Region stark von den Flüchtlingen profitieren könnte. Denn unter ihnen sind viele Fachkräfte – Zahnärzte, Chirurgen, Lehrer.

Von Janina Müller

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