Die Bundespolizei vom Uelzener Hainberg: Über ihr Aufeinandertreffen mit Randale-Fans, die keine Furcht kennen

„Das größte Problem ist der Alkohol“

Beim Führen der Einsatzfahrzeuge mit Schutzhandschuhen und in voller Montur brauchen die Beamten reichlich Fingerspitzengefühl. Durch regelmäßiges Training wird ihr Anzug zu einer zweiten Haut. Das ist lebenswichtig. Im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen.

Uelzen. Den US-Präsidenten und den Papst bewachten sie in Zivil, beim Begleiten von Zügen – vollbesetzt mit alkoholisierten Fußball-Fans – wird jedoch der Körperpanzer angelegt.

Ob beim Hamburger Schanzenfest, der NPD-Demo in Bad Nenndorf oder bei der Ausbildungsarbeit in Kabul, Afghanistan: Die Bundespolizei mit Sitz auf dem Uelzener Hainberg kennt buchstäblich keine Grenzen – und sieht sich einer immer größer werdenden Gewaltbereitschaft von Randalieren gegenüber. Betrunkene Rowdies in Deutschland, so scheint es, sind für die Uelzener Einsatzkräfte dabei offensichtlich eine größere Gefahr als Extremisten im Mittleren Osten.

Fußball-Rowdies im Visier der Bundespolizei

„Wir unterscheiden in A-, B- und C-Fans“, schildert Bodo Pesarra, Hundertschaftsführer bei der Bundespolizeiabteilung Uelzen, und meint damit Fußball-Fans. „A-Fans können beispielsweise Familienväter sein, die mit ihrem Nachwuchs einfach nur ein Spiel sehen möchten. Die sind in der Regel harmlos“, weiß der Polizeihauptkommissar, selbst Vater. Ihr Hauptaugenmerk legt die Hundertschaft, bestehend aus speziell ausgebildeten Beamten, auf die B- und C-Fans. „Denen ist das Spiel egal“, sagt Pesarra, „sie suchen die Gewalt.“

Die Ausrüstung der Bundespolizei Uelzen

Ausrüstung der Bundespolizei Uelzen

Den Schutzhelm samt Visier aus hochfestem Material tragen die Beamten aus Uelzen an fast jedem Wochenende, egal ob in den Zügen der Metronom-Eisenbahngesellschaft oder in denen der Deutschen Bahn. „Das war früher anders“, weiß Bernd Lüders, Zugführer und erfahrener Polizist. Weil Randale-Fans aber mittlerweile auch vor dem Einsatz von Sprengkörpern gegen Polizisten keinen Halt machen, sind die Helme unverzichtbar. Zu oft fielen Kollegen tage- oder gar wochenlang aus, weil sie ein Knalltrauma erlitten hatten, wenn nicht sogar Schlimmeres.

„Das größte Problem ist der Alkohol“, unterstreicht Lüders. Das Saufen mache Fans enthemmt, gewaltbereit und nicht zuletzt unkalkulierbar. Respekt oder gar Furcht vor einer möglichen Gegenwehr der Beamten: Fehlanzeige!

„Wer kommt dafür eigentlich auf?“, wird der Zugführer häufig während Einsätzen von Passanten gefragt, die das Treiben rund um die Randale-Fans natürlich mitbekommen. Kopfschütteln und Schweigen folgen meist auf die knappe Antwort Lüders": „Einzig und allein der Steuerzahler.“

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Erst sprühen, dann spülen

Was stets als Polizeiwillkür ausgelegt werde, meist lautstark von den Randale-Fans selbst, sei schlicht die angemessene Reaktion auf das gestiegene Gewaltpotenzial, betonen Pesarra und Lüders. „Wir reagieren. Wir müssen reagieren.“ Dabei sind die Arbeitsbedingungen in den vollen Fan-Zügen alles andere als angenehm – selbst für hartgesottene Polizisten. Der Körperpanzer, der die Beamten eigentlich schützen soll, wird bei Temperaturen jenseits der 20 Grad buchstäblich zum Saunafass. Für Stunden ist die Einsatzhundertschaft mit den alkoholisierten Rowdies in den Waggons quasi eingesperrt – bei stickiger Luft und auf engstem Raum. „Uns tun die anderen Bahnreisenden leid, die einfach nur ihr Ziel erreichen möchten“, sagt Lüders. Sie seien leider zur falschen Zeit am falschen Ort.

Üben mit den Krawall-Fans

Bundespolizei: Üben mit Krawall-Fans

Natürlich sind die Vollstreckungsbeamten nicht nur bei Zugfahrten im Einsatz. Die Polizisten vom Hainberg trifft man beispielsweise auch in Afghanistan. Dort bilden die erfahrenen Kräfte die Ordnungshüter der krisengeschüttelten Region aus. Tausende Kilometer von der Heimat entfernt sind es aber nicht betrunkene Fußball-Fans, die sie zum Schwitzen bringen, es ist das Klima. Obwohl der Einsatz im Mittleren Osten für die Uelzener Kräfte nicht ungefährlich ist, kam dort bis jetzt kein einziger Mann, keine einzige Frau vom Uelzener Hainberg zu Schaden. Anders sieht das im eigenen Land aus: Rippen- und Kieferbrüche weiß Hundertschaftsführer Pesarra aufzuzählen, die durch das Werfen von Glasflaschen verursacht wurden.

Es ist nur verständlich, dass der Start der 50. Bundesliga-Saison für die Hundertschaften aus Uelzen, aber auch aus dem gesamten Bundesgebiet, nicht zwingend ein Grund zum Feiern ist. Die Arbeit für die Beamten hat gerade erst begonnen.

Von Michael Koch

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