„Das bindet zu viel Arbeitskraft“

Hoch lodern die Flammen auf dem Grill – nicht jeder Nachbar ist von der Party im Nachbargarten begeistert – immer häufiger wenden sich Anwohner deshalb an die Polizei.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Bei diversen Gartenpartys dröhnt bis in die Nacht Musik aus den Lautsprecherboxen, in einer anderen Wohnsiedlung sorgt Rauch aus einem Brennkorb, der durch die Vorgärten zieht, für Ärger – und immer wieder wählen empörte Anwohner die Notrufnummer 110. Mehr als ein Dutzend solcher Anrufe zählte die Polizei allein voriges Wochenende – und jetzt zieht die Einsatzleitung die Notbremse: „Wir haben angeordnet, dass Ruhestörungen außerhalb Uelzens von hier nicht mehr angefahren werden, wenn das übrige Einsatzgeschehen es nicht zulässt“, sagt Ralf Munstermann, Chef des Streifendienstes bei der Uelzener Polizei.

Hintergrund für diesen Schritt sind zum einen diverse überörtliche Großeinsätze, zu denen auch Uelzener Polizisten gerufen werden. Mit dem Ergebnis, dass im Stadtgebiet in manchen Nächten nur noch die Mindeststärke an Streifenwagen unterwegs ist. Und diese Streifen müssen gerade an den Wochenenden ein hohes Einsatzaufkommen bewältigen. Verstärkt werden die Uelzener Fahrzeuge zwar durch Nachtschichten auf den Stationen, „wenn aber auch die andersweitig im Einsatz sind, können wir nicht noch Streifen aus der Stadt zu Ruhestörungen im Kreisgebiet schicken“, betont der Erste Polizeihauptkommissar. „Denn das bindet einfach zu viel Arbeitskraft, die wir eigentlich anderen Aufgaben widmen müssen“. Doch die zeitweilig erreichte Kapazitätsgrenze bei der Polizei ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen stehe, „dass Bürger zunehmend nicht mehr bereit sind, mit ihrem Nachbarn kurz zu sprechen, sondern stattdessen lieber gleich die Polizei rufen“, bilanziert Munstermann aus zahlreichen Einsatznächten. „Manchmal genügt ein Anruf, damit der Nachbar, der ein paar Freunde eingeladen hat und im Garten feiert, für ein bisschen mehr Ruhe sorgt.“ Es sei dem Bürger zuzumuten, „sich um so etwas auch einmal selbst zu kümmern“. Denn oftmals zeigten die Feiernden sofort Verständnis und würden leiser sein.

Natürlich gebe es auch die notorischen Ruhestörer, die regelmäßig in Erscheinung treten. „Dann werden wir auch tätig und greifen nach dem kommunalen Tatbestandskatalog durch“, erklärt der Chef des Streifendienstes. Zunächst gibt es eine Ermahnung, im Wiederholungsfall sind 35 Euro fällig und wenn auch das nicht wirkt, nehmen die Beamten auch kurzerhand Boxen oder Musikanlagen mit.

Ob die Zahl der Ruhestörungen im Lauf der Jahre zugenommen hat, ist nicht mit Statistiken zu belegen, „aber man hat schon den Eindruck, dass sich das Freizeitverhalten total verändert hat“, erklärt Munstermann. Und das nicht nur bei jüngeren Menschen: „Auch Erwachsene mittleren Alters feiern mittlerweile bis in die Nacht.“ Und das sei, anders als bei Veranstaltungen, nicht verboten. Öffentliche Feiern werden – mit Ausnahme des Stadtfestes – mittlerweile nur noch bis 23 Uhr genehmigt.

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