Chaos nach der Sperrung

Von Diane BaataniUelzen. Ruhig ist es geworden, für einige zu ruhig. Motorengeräusche von Autos sind so gut wie gar nicht mehr zu hören – es sei denn, es haben sich ein paar Pkw-Fahrer, vorwiegend aus dem Landkreis Dannenberg, um die Absperrung herumgeschlichen und in die Veerßer Straße verirrt.Seit gestern ist das Stück der Veerßer Straße zwischen altem Rathaus und Turmstraße für Autofahrer gesperrt. Anlieger und Lieferanten dürfen bis morgens um 10 Uhr und zwischen 14 und 15 Uhr, an Markttagen von 15 bis 16 Uhr, noch ihre Geschäfte ansteuern.

Radfahrer dürfen nur von 18 Uhr abends bis 10 Uhr morgens auf der Straße fahren, an den Markttagen nur bis 6 Uhr.Aber daran mochte sich gestern kaum ein Radfahrer halten. Die freie Straße lädt nun erst recht zum unbeschwerten Fahren ein, denken sich die meisten Radler und lassen im Fahrtwind das Fußgängerzonen-Schild hinter sich zurück. Eine Radlerin sagt auf AZ-Nachfrage: "Ja, das wusste ich, dass man hier nicht mehr fahren darf. Aber es ist alles so schön frei."Auch zwei Motorradfahrer bleiben irritiert vor dem Schild stehen und zögern, dann fahren sie doch daran vorbei. Politessen sehen sie anschließend beim Parken und machen sie darauf aufmerksam, dass sie das nun in der neuen Fußgängerzone nicht mehr dürfen.Autofahrer, die vom neuen Rathaus aus kommen, reagieren ebenfalls überrascht, als sie auf die Sperrung zufahren. Manche wenden kurzerhand und fahren das Stück zurück. Doch beim Wenden fällt auf: Das war eine Einbahnstraße, sie dürfen nicht zurück. "Ich habe das Schild nicht gesehen", erklärt ein Fahrer, nachdem er trotzdem in falscher Richtung in der Einbahnstraße zurückfuhr und sich einen Parkplatz suchte, ebenfalls in falscher Richtung. "Die Macht der Gewohnheit", sagt er.Die Damen vom Ordnungsamt drücken vermutlich am ersten Tag der Verkehrsberuhigung noch ein Auge zu. "Ich denke, es wird sich geben. So wie sie sich an den Wochenmarkt gewöhnt haben, werden sie sich auch hieran gewöhnen", vermutet eine Politesse."Es ist richtig ungewohnt, dass hier keine Autos entlangfahren", bemerken Mitarbeiter aus einem Geschäft an der Veerßer Straße. Sie hören von vielen Kunden, dass es nachteilig sei, dass sie nicht mehr direkt vor dem Geschäft parken können."Die ganze Straße ist tot", ärgert sich Martina Hannemann aus dem Gildehaus, "das macht die Geschäfte doch kaputt." Die Chance, Tische bis auf die Straße hinauszustellen, ohne zusätzliche Gebühren, möchte sie nicht wahrnehmen. "Der Weg vom Tresen dorthin ist doch viel zu lang", sagt sie. "Man muss auch mal an die älteren Leute denken, die fahren mit dem Auto vor. Jetzt haben sie Schwierigkeiten hierher zu kommen", hört sie von ihren Gästen. "Seit hier die Bushaltestellen weg sind, ist schon ein Umsatzrückgang zu erkennen", sagt sie. Für Hannemann ging diese Entscheidung in die falsche Richtung. Sie schlägt vor, sich an Lüchow ein Beispiel zu nehmen: "Kostenlos parken wär hier angebracht."Auch fürs Eiscafé Dolomiti ist die Verkehrsberuhigung nicht nachzuvollziehen. "Wenn hier mehr Geschäfte wären... Aber so sieht es so leer aus", meint Mitarbeiterin Ilona Slomka.Tchibo hat direkt reagiert und ein paar der Tische einen Meter weiter auf die leere Straße gestellt. "Wir können das ohne Extra-Gebühren machen. So entzerren wir es ein bisschen", sagt Kirsten Keskin aus der Filiale. "Schön wär‘s, wenn noch andere Attraktivitäten kämen, so dass hier ein bisschen Leben hereinkommt."

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