Von Woche zu Woche

Die Chancen einer Hansestadt

Hansestadt Uelzen – zugegeben, im ersten Augenblick ist der neue Name noch etwas gewöhnungsbedürftig. Doch der neue Titel stößt auf Beachtung, in welcher Form auch immer.

Sei es der merkwürdig anmutende Seitenhieb des in der großen Hansestadt Bremen erscheinenden „Weser-Kurier“, der unter dem Titel „Echte Hanseaten“ kommentiert: „Hansestädte, das sind Bremen, Hamburg und Lübeck, vielleicht noch Wismar, Rostock und Stralsund. Dass sich demnächst auch Uelzen offiziell Hansestadt nennen darf, wirkt wie ein Witz.“

Thomas Mitzlaff

Während also mancherorts die Hansestadt Uelzen eher spöttisch zur Kenntnis genommen wird, kann es für die Ausgezeichnete selbst eine große Chance sein – wenn man denn diese Gelegenheit auch beim Schopfe packt. Die größte Herausforderung für Uelzen wird es dabei zunächst sein, aus alten Denkmustern auszubrechen, mit denen man die Weiterentwicklung der Stadt seit vielen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten in großen Teilen blockiert. Eines steht fest: Uelzen wird nicht attraktiver, nur weil es sich jetzt mit einem neuen Titel schmückt. Dieser Vorgang wird erstmal nur zur Kenntnis genommen. Doch wenn man die Auszeichnung zur Hansestadt als Startpunkt für ein vernünftiges Stadtmarketing versteht, kann tatsächlich etwas Großes entstehen. Doch dazu muss ein ganz anderes Selbstverständnis her und aus dieser Erkenntnis heraus muss ein Masterplan entstehen. Dann kann das eine Chance sein.

Wie vielfältig die Möglichkeiten sind, zeigt schon ein Blick in das nördliche Kreisgebiet. Weil in Hamburg der Wohnraum knapp ist und Familien auch im Raum Lüneburg kaum noch Möglichkeiten haben, an bezahlbare Baugrundstücke zu gelangen, zählt Bienenbüttel längst zum äußeren Speckgürtel der Freien und Hansestadt. Diese Welle muss jetzt weiterschwappen, bis in die Kreisstadt nach Uelzen. Dann ist es auch nur noch eine Frage der Zeit, wann der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) seinen Widerstand aufgibt gegen eine Eingliederung Uelzens.

Aber auch für den hiesigen Kreis wäre ein Anschluss an den HVV natürlich mit erheblichen Kosten verbunden. Und diesem Dilemma muss man sich offensiv stellen: Ein Stadtmarketing auf völlig neue Beine zu stellen, die Rolle der Stadt neu zu definieren wird Geld kosten und es muss Geld kosten dürfen. Wenn diese Erkenntnis nicht vorhanden ist, kann man sich auch die Kosten für die Ergänzung der Ortsschilder um das Wort „Hansestadt“ sparen.

Ein Masterplan und seine Umsetzung wird nicht billig und wenn er anders nicht finanzierbar ist, dann muss eben an anderer Stelle eingespart werden. Klare Schwerpunkte statt des aktuellen Gießkannen-Prinzips. Ein solcher Kurs erfordert Mut, gerade jetzt, wenn die nächste Kommunalwahl schon in Sichtweite ist und Politik eher vorsichtig agiert. Aber es ist auch die Zeit, sich für Uelzen zu profilieren.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © Schopp/Ta

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