Castoren bis ins Jahr 2017

Die Schwerlasttransporte in der „Zange“ von Polizeifahrzeugen auf dem Weg zum atomaren Zwischenlager.

tm/dpa Uelzen/Gorleben. Trotz der Rekordproteste gegen den Castor werden die Transporte nach Gorleben bis 2017 fortgesetzt. Schon im kommenden Jahr wird der nächste Konvoi rollen, kündigte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) am Dienstag in einer Bilanz des diesjährigen Transportes an. „Es gibt dazu keine Alternative“, sagte der Minister. Die Frage, ob die Transporte angesichts der Überlastung der Polizei noch machbar seien, stelle sich für ihn nicht, sagte Schünemann.

Der Castor-Transport ist seit gestern Mittag am Ziel – und die Einsatzkräfte sind am Ende. Bis zu 30 Stunden waren manche Polizisten auf den Beinen, „aber auch abgesehen von der körperlichen Belastung hat dieser Einsatz tiefe Eindrücke hinterlassen“, sagt Polizeisprecher Kai Richter aus Uelzen. Das reiche von kreativem friedlichen Protest bis zu brennenden Barrikaden und Angriffen auf Polizeibeamten.

131 Polizisten seien verletzt worden, unter durch anderem durch Steinwürfe und Flaschen, bilanzierte Schünemann. Um die Millionen-Kosten für den Einsatz gibt es weiter Streit, eine Lösung ist nicht in Sicht. Der aktuelle Transport kostete rund 25 Millionen Euro, mehr als je zuvor. „Das sind die höchsten Kosten in meiner Amtszeit“, sagte der Innenminister.

Das Land Niedersachsen beharrt weiter darauf, dass es nicht allein auf den Einsatz-Kosten sitzen bleiben will. „Wir sind nicht mehr bereit, diese Sonderlast zu tragen“, sagte Schünemann. Bei der nächsten Innenminister-Konferenz will der niedersächsische CDU-Politiker erneut versuchen, Bund und Länder an den Kosten des Transportes zu beteiligen.

Die Einsatzleiter der Polizei erklärten, aus ihrer Sicht sei die Strategie der Sicherheitskräfte aufgegangen. So sei es gelungen, der Kampagne „Castor Schottern“ Einhalt zu gebieten und erhebliche Schäden am Gleisbett zu verhindern.

Allerdings hätten sich rund 300 Autonome unter die zumeist friedlichen Demonstranten gemischt und seien auch deutlich aggressiver gewesen als in den Vorjahren, sagte Polizei-Einsatzleiter Friedrich Niehörster. Insgesamt wurden 1316 Menschen vorübergehend in Gewahrsam genommen. Gegen 172 Protestierer wurden Strafverfahren eingeleitet. Ferner beschlagnahmte die Polizei 117 Traktoren.

Nach Angaben der Atomkraftgegner gab es auf Seiten der Demonstranten mindestens 950 Verletzte. Vor allem wurde über Augenprobleme durch Pfefferspray geklagt.

Derweil war das Medieninteresse am Castortransport in 2010 so groß wie seit Jahren nicht. „Die Journalisten wollten alles wissen. Ob über die Polizeipferde oder unsere Verpflegung“, bilanziert Polizeisprecher Richter.

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