Statt Y-Trasse womöglich Bahnroute durch den Landkreis Uelzen – manches spricht dafür

Bypass-OP am Schienennetz?

Uelzen/Berlin. Dirk Eberle, Sprecher der Bürgerinitiativen gegen die Y-Trasse, wird am 24. Mai mit seinen Gedanken in Uelzen sein. Vielleicht wird es für ihn und seine Mitstreiter ein historisches Datum.

An diesem Tag wird Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube im Hundertwasser-Bahnhof der Uhlenköperstadt sprechen. Eingeladen hat ihn die SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann. Das Thema: Mögliche Varianten zur seit Jahrzehnten umstrittenen Y-Trasse – jene Gleisroute, die einst geplant wurde, damit Personenzüge schneller aus Bremen und Hamburg Richtung Süden rollen können. Heute spricht keiner mehr von Personenbeförderung, heute geht es um „die Notwendigkeit der Schaffung weiterer Güterzugkapazitäten“, so die Formulierung des Bundesverkehrsministeriums (BMVBS). Es beauftragte die Deutsche Bahn aus diesem Grund und da das Raumordnungsverfahren für die Bahnroute „schon sehr lange zurückliegt“, Alternativen zur Y-Trasse zu prüfen. Jetzt, Ende März, soll das Gutachten dazu fertig sein. Über die Ergebnisse wollen weder Bahn noch Ministerium sprechen. Aus Berlin heißt es vom BMVBS auf AZ-Anfrage lediglich: „Darüber findet zu gegebener Zeit eine öffentliche Information in der Region statt. “.

Kommt diese Aufgabe womöglich dem Bahn-Chef Rüdiger Grube am 24. Mai zu? Und warum kommt er ausgerechnet nach Uelzen? Kirsten Lühmann sagt, er hätte auch in Celle oder Hamburg sprechen können. Sie habe ihn aber in die Uhlenköperstadt eingeladen. Fakt ist: Der Landkreis Uelzen und die Stadt spielen bei den Überlegungen zu den Alternativen eine zentrale Rolle. Neben der umstrittenen Y-Trasse wird seitens der Bahn über eine Neubaustrecke nur für den Güterverkehr zwischen Hamburg und Hannover nachgedacht. Eine Option ist aber auch der Ausbau der bereits vorhandenen Bahnstrecke von Hamburg über Lüneburg, Uelzen, Celle, Hannover und Lehrte, bei der ein drittes oder viertes Gleis gelegt würde. Dabei könnten, so äußerte sich der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Niedersachsen und Bremen, Ulrich Bischoping, gegenüber Medien, auch Umfahrungen für die Städte Lüneburg und Uelzen entstehen. Es wird von der Bypass-Lösung gesprochen. Bischopings Vorgänger Hans-Jürgen Meyer hat zudem in einem Papier mit dem Titel „Die Ausbau-/Neubaustrecke Hamburg/Bremen – Hannover (Y-Trasse) – Basis für die Weiterentwicklung der Wirtschaft Verkehrsinfrastruktur in Norddeutschland“ aus dem Jahr 2008 eine zweite Bypass-Lösung aufgeführt. Eine Alternativroute, die bei Ashausen, nördlich von Winsen, beginnt, um Lüneburg und Uelzen herumführt und im Südkreis Uelzen bei Suderburg schließlich in die Hannover-Linie mündet. Die AZ berichtete bereits im Jahr 2000 über diese Variante. Nicht ohne Grund: „Sie geht ja auf einen Uelzener zurück“, erklärt Dieter Janocha, pensionierter Lehrer aus der Uhlenköperstadt. Er habe die „Verkehrsader namens Bypass“ – so titelte die AZ 2000 – als schnelle Verbindung zwischen Hamburg und Berlin seinerzeit entwickelt. Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich Dieter Janocha mit dem Thema Bahn. Wenngleich ursprünglich für eine Strecke vom Norden in den Osten gedacht, so biete sie auch heute noch „unschlagbare“ Vorteile für den Schnellverkehr Richtung Hannover, sagt er. Insgesamt wäre die auszubauende Strecke circa 66 Kilometer lang, damit wesentlich kürzer als jede andere Neubaustrecke, genauso effektiv und schließlich kostengünstiger. Dass „seine“ Bypass-Lösung westlich von Bienenbüttel in den Landkreis hineinkäme, weit um Ebstorf herum und dann Richtung Veerßen und Suderburg führen würde, ist bei der Bahn durchaus eine vorstellbare Option. Dies hat Janocha schriftlich bestätigt bekommen. Er hatte seine Route in dem Schriftstück aus dem Jahr 2008 entdeckt und sich an die Bahn gewandt.

Damit führen zwei der drei bislang bekannten und geprüften Alternativrouten durch den Kreis Uelzen. Für Dieter Janocha steht fest, dass die Y-Trasse in jedem Fall nicht gebaut wird. Zu dem gleichen Urteil kommt auch Eberhard Happe, früherer Leiter der Zugförderung in Hamburg und ehmaliges OHE-Vorstandsmitglied. Wirtschaftlich gesehen sei die Y-Trasse „Quatsch“, so Happe. Welche Routen bleiben dann? Y-Trasse-Gegner Dirk Eberle will nicht schon vor der Bahn oder dem Ministerium über die Ergebnisse der Variantenprüfung spekulieren. Er sagt aber: „Wenn der Landkreis Uelzen von Planungen betroffen wäre, bieten wir als Bürgeriniativen unsere Hilfe an. Wir besitzen Erfahrungen von mehr als einem Jahrzehnt.“

Von Norman Reuter

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