Ehemaliges Café Harder wird derzeit abgerissen und durch modernes Geschäftshaus ersetzt

Büroräume statt Bauruine

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Die Rückseite des einstigen Cafés Harder an der Veerßer Straße wurde bereits weitgehend abgerissen.

Uelzen. Dumpfe Schläge hallen durch die Bauruine und lassen die Schaufenster der benachbarten Geschäfte erzittern. Auf der Rückseite des Gebäudes stapeln sich Berge von Steinen und Schutt, die ein Bagger mit seiner Schaufel herausgerissen hat.

Staubschwaden wabern durch die Luft. Keine Frage: Der kürzlich begonnene Abriss des ehemaligen Cafés Harder an der Veerßer Straße ist nicht zu übersehen und -hören. Das seit vielen Jahren verwaiste Gebäude wird derzeit komplett abgetragen. Die Rückseite wurde bereits weitgehend abgerissen, vom Haus stehen nur noch Teile der Frontfassade, vor denen eine Baufirma ein Gerüst aufgestellt hat. Geplant sei „ein sofortiger Neubau“, erklärt Baudezernent Karsten Scheele-Krogull auf AZ-Anfrage.

Der in der Schweiz lebende Besitzer habe bei der Stadt Uelzen einen Bauantrag gestellt, der sich „in den Endzügen der Genehmigung“ befinde. Im Erdgeschoss ist nach den Worten von Scheele-Krogull ein Einzelhandelsgeschäft mit mehr als 200 Quadratmetern Verkaufsfläche vorgesehen. „Die Nutzung geht in Richtung Bekleidung“, sagt der Dezernent. In den oberen Geschossen plane der Investor Büroräume, im Dachgeschoss sollen Wohnungen entstehen. Scheele-Krogull ist erleichtert, dass der Schandfleck bald der Vergangenheit angehört.

Die Front des Gebäudes ist derzeit von einem Gerüst und einer Schutzplane verdeckt.

„Es ist zu begrüßen, dass diese Lücke jetzt endlich geschlossen wird. Das war auch nicht mehr zu ertragen“, sagt er. Denn das Gebäude ist nach der Schließung immer mehr verfallen: Von der Fassade bröckelt der Putz, von den Fensterrahmen ist die Farbe abgeblättert, Vogelkot klebt an der Regenrinne, die Fensterscheiben sind verschmutzt und mit Plakaten beklebt. Eine neue Nutzung für das marode Gebäude fand sich in all den Jahren nicht. Viel ausrichten konnte die Stadt dagegen aber nicht, weil sich der Bau in privater Hand befindet. 2007 wurde dann bekannt, dass die Handelskette „Jeans Fritz“ dort mit einer Filiale einziehen wollte, doch auch diese Pläne zerschlugen sich. Deshalb ist Scheele-Krogull froh, dass an dieser zentralen Stelle in der Innenstadt nun ein moderner Neubau entsteht. „Die Fassade hätten wir gerne erhalten. Das war aber nicht möglich, weil das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht“, sagt er. Keinen Fortschritt gibt es hingegen bei zwei Leerständen an der Lüneburger Straße. Der Umbau der ehemaligen „Uelzer Hofes“ und der Einzug einer Woolworth-Filiale in die verwaiste Kaufhalle lassen weiter auf sich warten. Inzwischen ist nicht einmal sicher, ob die Warenhauskette nach Uelzen kommt. So habe Woolworth den schon vor Monaten angekündigten Mietvertrag für das Gebäude noch nicht unterschrieben, erklärt Sandra Seidl, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens, gegenüber der AZ.

Das Interesse von Woolworth an einer Nutzung der einstigen Kaufhalle sei unverändert, doch wann der Einzug erfolgt und ob das Projekt überhaupt verwirklicht wird, kann Seidl derzeit nicht sagen. Ursprünglich hatte sie den Woolworth-Einzug für den Sommer angekündigt. Auch für den früheren „Uelzer Hof“ zeichnet sich keine neue Nutzung ab. „Hier steht immer noch ein möglicher Investor im Hintergrund, der das Gebäude gerade durch einen Architekten untersuchen lässt“, berichtet Scheele-Krogull. Die Stadt warte nun darauf, dass ihr dazu ein Baukonzept vorgestellt wird.

Eine kleine Gastronomie, Wohnungen und eventuell Einzelhandel: Diese Nutzungsmöglichkeiten stünden weiterhin im Raum. Die Wiederbelebung des Hotelbetriebes, den ein anderer Investor im Vorjahr ins Spiel gebracht hatte, ist aber wohl vom Tisch: „Von dem Mann haben wir seitdem nichts mehr gehört“, sagt Scheele-Krogull.

Von Bernd Schossadowski

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