Spannung in den Ortsräten Holdenstedt und Kirchweyhe / Schulschließung zentrales Thema in Molzen

Bürgermeister auf der Kippe

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Karl-Heinz Günther will weiter die Geschicke des Kirch-/Westerweyher Rates lenken – doch er hat noch keine Mehrheit.

Uelzen. Die Bürgermeister sind die Zugpferde in den sechs Uelzener Ortsräten – sie holten allesamt in ihren Wahlbereichen die meisten Stimmen aller Bewerber.

Doch eine große Beliebtheit muss nicht automatisch eine Wiederwahl bedeuten: In Kirch-/Westerweyhe und Holdenstedt/Klein Süstedt müssen Karl-Heinz Günther bzw. Hans-Jürgen Heuer ihre Ämter womöglich abgeben. Und eine Besonderheit gibt es auch im Ortsrat Molzen: Hier stimmten die Wähler mit ihrer Stimme offenbar auch über die geplante Schließung der dortigen Grundschule ab. Die AZ gibt einen Überblick über die Situation in den Ortsräten.

Kirch- und Westerweyhe

Die Mehrheitsverhältnisse im größten Ortsteil der Stadt Uelzen haben sich eigentlich nicht verändert: CDU und SPD marschieren im Gleichschritt, legten beide um knapp vier Prozent zu. Beide bekommen wieder fünf Sitze, die Grünen sind mit einem Sitz Zünglein an der Waage. Bislang arbeiteten CDU und Grüne zusammen, die einzige Grünen-Ratsfrau Cathrin Bielke ist sogar stellvertretende Bürgermeisterin. Doch für die Studentin ist nicht klar, ob sie weiter mit der CDU stimmt: „Ich schaue erst einmal, wo unsere Belange Berücksichtigung finden“, sagte sie gestern zur AZ.

Holdenstedt/Kl. Süstedt

Die politische Zukunft von Hans-Jürgen Heuer (stehend) in Holdenstedt ist ungewiss.

Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Heuer ist mit seiner CDU haarscharf an einer neuerlichen absoluten Mehrheit vorbeigeschrammt. Hintergrund ist eine Besonderheit im Uelzener Süden: Der beliebte SPD-Ratsherr Herwig Maaß war zur UWG gewechselt, trat zwar dort nicht an, doch die Wählergemeinschaft holte auf Anhieb 18,7 Prozent – gleich 14,6 Prozent knüpfte sie der SPD ab, die restlichen vier Prozent der CDU, der dadurch etwa 30 Stimmen zur absoluten Mehrheit fehlten. Und das hat Folgen: Die CDU verfügt über vier Sitze, die SPD über 3 und die UWG über 2 – somit könnten Sozialdemokraten und Wählergemeinschaft einen eigenen Bürgermeister bestimmen. „Ich dachte, ich hätte einen anderen Stand bei den Bürgern und bin schon etwas traurig über das Ergebnis“, sagte Heuer gestern in einer ersten Reaktion.

Masend./Molzen/Riestedt

Der Wahlkampf im Nordosten Uelzens kannte nur ein Thema: Die vom Stadtrat beschlossene Schließung der Grundschule Molzen, die vor Ort auf heftigen Widerstand stieß. Auch Ortsbürgermeister Henning Gröfke (CDU) hatte deutlich dagegen Stellung bezogen und die Bürger honorierten das offenbar: Die CDU legte um 11,26 Prozent auf 50,5 Prozent zu und hat damit die absolute Mehrheit. Die SPD stürzte um 13,04 auf 35,88 Prozent ab. Sitzverteilung: CDU vier Sitze, SPD 2, Grüne 1. „Das ist ein eindeutiges Votum, das kann die Stadt nicht einfach ignorieren“, sagt Bürgermeister Gröfke. Kommenden Donnerstag steht das Thema erneut auf der Tagesordnung des städtischen Schulausschusses (s. unten).

Oldenstadt/Ripd./Tatern

Die Grünen hatten nach fünfjähriger Pause wieder für den Ortsrat kandidiert, holten 10,3 Prozent, die SPD (-6,1) und CDU (-4,2) verloren gingen. Bürgermeister Klaus Knust (SPD) kann aber weiter mit einer satten absoluten Mehrheit (56,2 Prozent) regieren und ist entsprechend zufrieden: „Natürlich gibt es ein grünes Wählerpotenzial, und das wir einen Sitz verlieren könnten, hatten wir einkalkuliert“, sagte er. Die SPD kommt auf 6 Sitze, die CDU auf 4, Grüne auf einen.

Hansen/Veerßen

In jedem Fall einen neuen Bürgermeister wird es im Süden und Westen Uelzens geben, denn Amtsinhaber Karsten Jäckel (CDU) stellte sich im Ortsrat nicht wieder zur Wahl. Er übergibt einem Nachfolger eine satte Mehrheit: Die CDU legte um knapp 9 auf 63,6 Prozent zu und kommt auf 6 Sitze; doppelt so viel wie die SPD, die 6,3 Prozent verlor und bei 36,4 Prozent landete. Als heißester Bürgermeisterkandidat gilt der CDU-Mann Ernst von Estorff, der die meisten Stimmen bekam.

Gr. Liedern/Hanstedt II/M.

Über das beste Ergebnis, das eine SPD je in diesem Ortsrat erzielt hat, freut sich Bürgermeister Wilfried Teichmann. Seine Sozialdemokraten haben der CDU sogar noch einmal 5,07 Prozent abgeknüpft und kommen bei 60,73 Prozent auf vier Sitze, die CDU mit knapp 40 Prozent auf drei Sitze. „Das bestätigt uns, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen“, erklärt Teichmann. Dazu gehörten Transparenz und mit dem Bürger im Gespräch zu sein, „andere reden nur darüber, aber wir hören zu und gehen ehrlich mit den Themen um – dann stößt man auch auf entsprechend Verständnis und das zeigt sich dann auch in diesem Wahlergebnis.“

Insgesamt lag die Wahlbeteiligung in Stadt und Landkreis Uelzen bei rund 55 %.

Von Thomas Mitzlaff

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