Die Bühne im Visier

Auf den Spuren der ganz Großen: Genau wie Sängerin Lucy von den No Angels und Schauspieler Ralf Bauer zu Beginn ihrer Karriere wird die Uelzenerin Rhiana Riechers (rechts) ab August die Stage School Hamburg besuchen.

Uelzen/Hamburg - Von Sven Kamin. „Eigentlich hatte ich schon als Kind den Willen, Künstlerin zu werden und etwas zu tun, was andere Menschen glücklich macht“, sagt Rhiana Riechers mit einem etwas herausfordernden Blick.

Wer die 21-Jährige dieser Tage trifft, merkt schnell, dass die Uelzenerin nun die Chance hat, ihren Traum zu verwirklichen, und alles dafür tun will, diese Chance zu nutzen: Bis vor wenigen Tagen stand Rhiana noch als Medizinische Fachangestellte in einer Uelzener Gynäkologenpraxis. Aber nun bricht sie auf nach Hamburg: „Am 16. August ist mein erster Schultag“, sagt Rhiana stolz. Denn ab diesem Tag wird auf ihrem Stundenplan nicht mehr Mathe, Deutsch oder Biologie stehen, sondern Chor-Gesang, Musiktheorie, Steppen, Ballett, Schauspiel oder Einzelgesang. Denn ab dem 16. August wird Rhiana Schülerin der Stage School Hamburg sein. Oder genauer Auszubildende. Denn die Berufsbildende staatlich anerkannte Ergänzungsschule für Musical, Tanz, Gesang und Schauspiel, so der offizielle Titel, bildet junge Talente zum Beispiel zu Musicaldarstellern aus.

Und die Ruhmeshalle der ehemaligen Stage-School-Abgänger ist groß. Schon Schauspieler Ralf Bauer, No-Angels-Sängerin Lucy oder Moderatorin Susan Sideropoulos besuchten vor ihrem Durchbruch die Stage School. Etwa 60 Dozenten in den verschiedenen Bereichen der Performing Arts, also allem, was man so auf einer Bühne anstellen kann, bereiten die Auszubildenden dort auf die Bühnenreife vor.

Vor der Ausbildung steht normalerweise die gefürchtete Aufnahmeprüfung: „Die hätte ich garantiert nicht geschafft“, sagt die 21-Jährige lächelnd und fährt fort: „Meine Mutter hat mir als Belohnung für meine bestandene Ausbildung einen Workshop an der Stage School geschenkt. Dabei sind die Dozenten auf mich aufmerksam geworden und haben mir einen Ausbildungsvertrag angeboten.“

Bei Rhiana dürfte man es also mit etwas zu tun haben, was gemeinhin als Naturtalent bezeichnet wird: Denn obwohl die 21-Jährige schon immer gerne gesungen hat, ist sie niemand, der schon seit der Grundschule täglich Klavier geübt hätte. „Nachdem ich wusste, dass ich an die Stage School gehe, habe ich ein paar Monate Gesangsstunden genommen, und ich habe Ballettunterricht. Mehr nicht“, sagt sie. Ihr größter bisheriger Erfolg? „Ich war Dritte bei Uelzen sucht den Superstar“, sagt Rhiana und lacht. Seit kurzem singt sie auch in einer Band.

Die Ausbildung dauert drei Jahre. „Die Proben und Schulstunden sind jeden Tag von morgens bis in den späten Nachmittag.“ Doch die Ausbildung ist nicht nur anstrengend, sondern vor allem auch teuer: „Neben den hohen Schulgebühren kommen noch die Ausgaben für die Tanzausrüstung und die Wohnung dazu. Das Schülerbafög hilft da nur wenig. Und nebenher Jobben ist wegen der langen Probenzeiten auch nicht drin“, seufzt Rhiana, die hofft, vielleicht noch Menschen zu finden, die ihr bei dem Kampf um ihren Traum noch ein bisschen finanziell unter die Arme greifen.

Was immer in ihrer eigenen Macht steht, ihre Chance zu nutzen, um irgendwann auf den großen Bühnen zu stehen, das will Rhiana jedenfalls tun.

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