Kommunen kürzen Zuschüsse: Fahrbibliothek-Verein fehlen nächstes Jahr 20 000 Euro im Etat

BücherBus kämpft um seine Zukunft

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Ab Montag hängt sie die roten Sparstrümpfe im BücherBus aus: Fahrbücherei-Leiterin Sylke Drescher

Uelzen. „Wenn wir 130 000 Euro im Jahr hätten, dann würden wir über die Runden kommen“, kalkuliert Gunda Böttcher. Doch davon sind die ehrenamtliche Buchhalterin Böttcher und ihre Mitstreiter der Uelzener Fahrbibliothek meist weit entfernt.

Und sollte die Stadt Uelzen ihre Sparpläne in die Tat umsetzen und dem BücherBus e.V. nächstes Jahr den Zuschuss von 3800 Euro streichen, wird es richtig eng.

Denn nicht nur die Stadt plant den Rotstift anzusetzen; auch der Kreis der Gemeinden, die pro angesteuerter BücherBus-Haltestelle 200 Euro zahlen, wird kleiner: Rosche, Wrestedt, Bienenbüttel und Ebstorf zahlen seit jeher nicht, ab 2013 wird sich auch Bad Bodenteich ausklinken. Bei 120 Haltestellen im Landkreis Uelzen könnten theoretisch 24 000 Euro zusammenkommen. Tatsächlich sind es aber durchschnittlich gerade mal 11 000 Euro. Einzige Konstante seit Jahren: die 70 000 Euro Sockelfinanzierung aus Mitteln des Landkreises und der Bürgerstiftung.

Unterm Strich, schätzen Bibliotheksleiterin Sylke Drescher und Gunda Böttcher, würden im kommenden Jahr also rund 20 000 Euro im Etat fehlen. „Eventuell bekommen wir es 2013 noch hin“, sagt Drescher im Hinblick auf geringe Rücklage und mögliche Einnahmen aus eigenen Veranstaltungen, „aber 2014 dann nicht mehr.“ Mit dem Ende des BücherBusses will sich aber keiner der drei Hauptamtlichen, zwei Minijobber und knapp zehn ehrenamtlichen Mitarbeiter anfreunden. Und deshalb werden jetzt noch mehr als sonst die Ärmel hochgekrempelt: Ab Montag ruft der Verein mit einer Sparstrumpf-Aktion im BücherBus zu Spenden auf.

 Mehr als 360 aktive Leser zählt der BücherBus derzeit, hinzu kommen 300 Menschen, die zwar nicht aktiv lesen, aber Mitgliedsbeiträge und Spenden einzahlen. Knapp 1700 Kinder im gesamten Landkreis nehmen außerdem das Angebot des BücherBusses kostenfrei in Anspruch; weitere 111 Leseausweise werden von Schulen und Kindertagesstätten genutzt. Ein Zuspruch, der Sylke Drescher und ihr Team trotz der aktuell schwierigen Lage motiviert.

„Es ist wichtig, dass Kinder und alte Menschen mit Büchern in Kontakt kommen und bleiben“, sagt Gunda Böttcher. „Ich bin überzeugt davon, dass manche Kinder zu Hause nie ein Buch in die Hand bekommen würden, gäbe es den Bücherbus nicht. In Zeiten von schlechten Schulabschlüssen ist es ein Unding, wenn die Leseförderung so kurz gehalten wird“, findet die 68-Jährige. Und auch für die Älteren in der Fläche des Landkreises, die nicht mobil sind, stelle der BücherBus eine wichtige Verbindung zur Außenwelt dar. „Die würden sonst nur Fernsehen oder aus dem Fenster gucken.“

Sylke Drescher muss sich oft von Kommunen anhören, dass diese schon genügend Vereine unterstützen müssten. Sie wehrt sich allerdings dagegen, dass der BücherBus „nur“ als Verein betrachtet wird. „Jede Fahrbücherei, die von einer Kommune betrieben wird – und davon gibt es viele –, gilt als professionelle Bibliothek. Wir machen genau dasselbe, wir haben ein professionelles Bibliothekssystem, hier arbeiten fachlich ausgebildete Hauptamtliche und hoch qualifizierte und engagierte Ehrenamtliche, die sich mit ihrer Arbeit identifizieren – wir sind auch professionell. Aber wir werden hier als Muckelbude gesehen und nicht als Institution in öffentlicher Hand.“

Besonders gerührt waren die BücherBus-ler deshalb auch, als ihnen dieser Tage ein kleiner Junge mit den Worten „Als Spende“ zwei Euro auf den Tresen legte – er hatte von den drohenden Kürzungen gehört. Für Sylke Drescher steht nicht erst seit dieser bewegenden Geste fest: „Bibliotheken rechnen sich nicht, aber sie zahlen sich aus.“

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