AZ-Online-Redakteur kritisiert Konsum-Werkzeug

Amazons Dash-Button: Brauchen wir diesen Knopf?

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Per Knopfdruck Waschmittel, Shampoo, Tierfutter und vieles mehr bestellen: Internet-Versandhändler Amazon behauptet, mit dem Dash-Button unser Leben leichter zu machen. Verbraucherschützer sind auf den Barrikaden.

Uelzen. Sieht eigentlich aus wie ein Klingelknopf, was da gerade für mächtig Ärger bei Verbraucherschützern sorgt. Per Knopfdruck bestellen wir uns damit Waschmittel, Hundefutter, Shampoo und mehr ins Haus.

Der Dash-Button von Amazon, dem größten Internetversandhändler der Welt, soll unser Leben einfacher machen. Das zumindest behauptet Amazon. Bei genauerer Betrachtung ist der Dash-Button, neben rechtlicher Bedenken, aber vor allem eines: Ein Stück Plastik und Technik, das uns nachdenken lassen sollte – über uns und über die Art dieses Konsum-Werkzeugs.

Das Versprechen von Amazon: Dash-Button kaufen (4,99 Euro pro Stück, für diverse Produkte erhältlich) und 24 Stunden nach Knopfdruck ist das jeweilige Produkt geliefert. Mit der ersten Bestellung bekommen Kunden auch den Kaufpreis des Buttons als Rabatt zurück. Der Bestell-Knopf sei einfach einzurichten, so Amazon – per App auf dem Smartphone.

Die Bedenken der Verbraucherschützer: In Deutschland gibt es klare Regeln zum Verkauf von Waren über das Internet. Der Bestellvorgang bei den Dash-Button sei undurchsichtig, bemängelt die Verbraucherschutzzentrale. Kunden bekämen erst Informationen zum Preis, nachdem sie das Produkt bestellt hätten. Preise vergleichen? Das geht nicht.

In Deutschland gibt es den Dash-Button von Amazon seit Anfang September. In den USA kam der Dash-Button bereits im März 2015 auf den Markt. Kunden aus den Vereinigten Staaten kritisieren, dass die Preise der Produkte, die über den Dash-Button bestellt werden können, nach der ersten Bestellung merklich angestiegen seien. Auf diese Information stößt man bereits nach kurzer Recherche im Internet.

Für Kunden ebenfalls unbefriedigend: Amazon behält sich vor, Ersatzartikel zu versenden, falls das gewünschte Produkt nicht verfügbar ist.

Ein weiterer Kritikpunkt: die Lieferzeiten. Amazons Bestell-Knopf ist nur für „Prime-Kunden“ verfügbar. Amazons Prime-Kunden bezahlen jährlich 49 Euro unter anderem dafür, dass ausgewählte Produkte innerhalb eines Tages kostenlos zu ihnen gesandt werden. Verbraucherschützer machten den Test: Auf ihr bestelltes Waschmittel hätten sie vier Wochen warten müssen. Allerdings kursieren auch Erfahrungsberichte im Internet, die den zügigen Versand – also innerhalb von 24 Stunden – bestätigen.

Bemühen wir unseren Verstand: Das Internet hat die Welt kleiner gemacht. Wir versenden Nachrichten in Sekunden über den Globus, tauschen uns heute im Netz aus, wie wir es vor zehn Jahren kaum zu träumen gewagt hätten. Keine Frage: Das Internet hat uns einen riesigen Schritt vorwärts gebracht. Und jetzt kommt Amazon mit seinem Dash-Button.

Würde ein Branchen-Gigant wie Amazon kein finanzielles Potenzial in diesem Bestell-Knopf sehen, er hätte ihn nach Einführung in den USA nicht auch auf den deutschen Markt gebracht. Wollen wir künftig tatsächlich so einkaufen? Dem lokalen Handel per Knopfdruck einen weiteren Schlag in die Nieren verpassen, in der Hoffnung, dass er dadurch schon nicht auf die Bretter gehen wird?

Ein Knopfdruck, der mir die Möglichkeit nimmt, Preise zu vergleichen oder mich für meinen Händler vor Ort zu entscheiden, der dem Vernehmen nach sogar günstiger sein könnte – so einen Knopfdruck werden mündige Verbraucher wohl kaum als Erleichterung ihres Lebens wahrnehmen. Vielmehr entsteht der Eindruck: Da füllt jemand meinen virtuellen Warenkorb nach seinen Vorstellungen.

Mal davon ab: Was bringt mir eigentlich morgen Waschmittel, wenn heute Waschtag ist?

Von Michael Koch

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