Achtung, Kamera!

45 Angriffe in einem Jahr: Body-Cams sollen auch Uelzener Polizisten schützen

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Eine kleine Kamera auf der Schulter dokumentiert den Einsatz: Gerichte können so auch einen visuellen Eindruck vom Verlauf eines Konfliktes bekommen.

Uelzen. Ladendiebstahl zur Mittagszeit – es schien ein Routineeinsatz zu sein für eine Streife in einem Einkaufsmarkt an der Lüneburger Straße. Die Beamten trafen ein, als der Dieb gerade den Supermarkt verlassen wollte.

Als er angesprochen wurde, trat und schlug der 23-Jährige sofort nach den Beamten und leistete heftigen Widerstand. Die Polizisten überwältigten den Täter und legtem ihm Handfesseln an. Sie fanden ein Messer bei ihm.

Der Vorfall vom Montag am Rand der Uelzener Innenstadt steht exemplarisch für eine Entwicklung, mit der sich die Polizei zusehends konfrontiert sieht: Die Beamten werden nicht mehr als Respektspersonen angesehen, „selbst aus nichtigem Anlass sind wir immer häufiger mit Gewalt gegenüber den Einsatzkräften konfrontiert“, sagt Ralf Munstermann, Leiter des Streifendienstes bei der Polizei in Uelzen. Dort begrüßt man deshalb die am Dienstag von der Landesregierung beschlossene Novelle des Gefahrenabwehrgesetzes, die den Einsatz von sogenannten Body-Cams bei Polizisten in Niedersachsen vorsieht.

45 tätlichen Angriffen sahen sich Polizeibeamte in Stadt und Kreis Uelzen im vergangenen Jahr ausgesetzt, Tendenz steigend. „Das Verhalten der Bevölkerung und vor allem junger Menschen hat sich in den letzten 30 Jahren völlig verändert“, schildert Munstermann. Insbesondere unter Alkohol- und Drogeneinfluss würden sämtliche Hemmungen fallen. „Dann erreicht man die Betroffenen einfach nicht mehr“.

Munstermann erhofft sich vom Einsatz der kleinen Videokameras auf den Schultern der Beamten einen höheren Schutz vor verbalen und körperlichen Angriffen. Manch Aggressor werde durch die Dokumentation womöglich abgeschreckt, und nicht nur das: „Dann bekommen insbesondere auch Dritte wie Richter, Verteidiger und Staatsanwälte einen Eindruck vom wahren Verlauf eines solchen Konfliktes“ – und das wisse auch der Gegenüber. „Wir können uns vorstellen, dass manche Auseinandersetzung dann viel besonnener abläuft, weil gewiss ist, dass die Wahrheit ans Licht kommt.“

Dass diese Hoffnung berechtigt ist, zeigen erste Erfahrungen aus anderen Städten. Beispiel Kaiserslautern: Dort zeigt das sichtbare Tragen der Kameras bei den Einsätzen Wirkung – bei Kontrollen geht es ruhiger zu. Es werde nicht mehr so viel herumgepöbelt, und die Beamten müssen sich nicht mehr so viele Beleidigungen anhören. Dabei ist die Kamera die meiste Zeit aus, aber: „Es reicht schon, dass die Leute wissen, dass sie gefilmt werden können“, schildert ein Polizist.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft kritisiert allerdings, dass der Gesetzesentwurf in Niedersachsen den Einsatz von Bodycams aus Datenschutzgründen nur an öffentlich zugängigen Orten erlaubt. Doch zu den gefährlichsten Einsätzen zählen laut Gewerkschaft Familienstreitigkeiten sowie Ruhestörungen.

Von Thomas Mitzlaff

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