Am Boden bis es brennt

Drei Mal pro Tag fliegt die Cessna des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen eigentlich über den waldreichen Landkreis Uelzen, um Brände schon bei der Entstehung zu entdecken – jetzt muss sie wegen Behördenquerelen am Boden bleiben. Foto: Feuerwehr

Uelzen. Die Wälder sind trocken und ausgedörrt, vielfach reicht ein Funke und das Unterholz steht in Flammen. Doch obwohl jetzt im Raum Uelzen die höchste Wald- und Flächenbrandwarnstufe gilt, müssen die Feuerwehren seit gestern auf einen wichtigen Helfer aus der Luft verzichten:

Die in Lüneburg stationierte Cessna des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen, die bei Wald- und Flächenbränden aus der Luft unterstützt, bleibt aus Geldmangel am Boden. „Wir können nicht fliegen, weil die 5000 Euro, die uns über Ostern zur Verfügung gestellt wurden, verbraucht sind“, sagte Regierungsbrandmeister Werner Meyer. In einem Schreiben der Polizeidirektion Lüneburg, die die Fliegerei im Auftrag des niedersächsischen Innenministeriums anordnet, heißt es, dass keine finanziellen Mittel vorhanden seien und die Flüge abgebrochen werden müssten.

„Ich hoffe, dass sich das kurzfristig klärt“, sagte Meyer. Guido Koch aus der Pressestelle der Lüneburger Polizeidirektion hatte zwar Hoffnungen – aber keine konkreten Fakten. „Wir müssen abwarten“, sagte er. Für den seit 50 Jahren aktiven Flugdienst der Feuerwehr gibt es laut Meyer keine Haushaltsstelle, so dass das Innenministerium kein Geld bereitstellen kann. „Die Lage ist brisant“, so Meyer.

Am Nachmittag konkretisierte Koch die Situation: „Die ganze Sache ist falsch kommuniziert worden. Irgendjemand hat da etwas falsch verstanden. Natürlich ist das Geld da, um notfalls fliegen zu können.“ Hinter „notfalls“ verbrigt sich folgende Idee: Der Feuerwehr-Flugdienst soll nur noch aufsteigen, wenn es tatsächlich brennt. „Wir haben Überwachungskameras, da ist es doch unsinnig, über dieses Gebiet auch zu fliegen“, so Koch gegenüber feuerwehrmagazin.de. Für den Fall, dass es brennt, würde man sich eine Crew suchen und diese dann starten lassen, so Koch. „Wir werden entscheiden, wenn das nötig ist“, sagte der Polizeisprecher. Im Klartext bleibt die Cessna am Boden – bis es brennt.

Die Besatzungen der Lüneburger Maschine, die aus Pilot, Flugbeobachter der Feuerwehr und einem Mitarbeiter der Forstverwaltung besteht, war seit Ostern geflogen und hatte dabei mehrere Brände in der Natur entdeckt. In weiteren Fällen wurden die Löschmannschaften aus der Luft koordiniert.

Meyer: „Die Forst sagt bereits, wegen der Überwachungskameras bräuchte man die Flugzeuge nicht. Aber wir können die Kameraden am Boden nicht alleine lassen. Wir unterstützen den Einsatzleiter per Funk und halten den Kräften notfalls den Rücken frei, falls sie bei den Löscharbeiten durch das Feuer in einen Hinterhalt geraten.“

Der Landesfeuerwehrverband setzt den Feuerwehr-Flugdienst seit Jahrzehnten erfolgreich ein, nachdem es in der Lüneburger Heide verheerende Wald- und Flächenbrände gegeben hatte. „Der Wind hat den Wald trocken geblasen“, fürchtet Meyer aktuell eine neue Brandkatastrophe. Von den 20 Überwachungskameras, die auf 17 Masten in Nordost-Niedersachsen installiert sind, lieferten im Sommer 2010 zeitweise nur vier ihre Bilder in die zentrale der Lüneburger Polizeidirektion. Verlässlich scheint diese Technik nicht zu sein.

Geflogen wird von Lüneburg aus eigentlich pro Tag dreimal. Nach dem Start in Lüneburg geht es in Richtung Bleckede an der Elbe, von dort weiter entlang der Landkreise Lüchow-Dannenberg und Uelzen über Salzwedel und von dort weiter nach Gifhorn. Am südlichen Rand der Lüneburger Heide erfolgt der Flug über Teile des Landkreises Celle entlang in den Kreis Soltau-Fallingbostel, von dort geht es über den Landkreis Harburg zurück nach Lüneburg. Dauer: rund zwei Stunden.

Im vergangenen Jahr ist die Lüneburger Maschine an insgesamt 26 Einsatztagen gestartet, hierbei wurden 23 Brände zuerst entdeckt und die entsprechenden Leitstellen des Überwachungsgebietes verständigt sowie die alarmierten Feuerwehren aus der Luft an die Brandherde geführt.

Von Timo Jann

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