Blick in die Gruselhöhle: Die Brenkers leben zwischen Schaumstoffleichen, Särgen und eingelegten Ohren

Blutige Finger aus der Nierenschale

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Nichts für schwache Nerven: Im Haus der Familie Brenker in Molzen wimmelt vor gruseligen Dingen. Einmal im Jahr – um Halloween – haben sie ihren großen Auftritt.

Molzen. Wenn Kinder an der Tür klingeln, muss Onkel Herman zusammen mit der Bauschaumleiche im Atomfass verschwinden – vorausgesetzt, Besucher von Familie Brenker trauen sich überhaupt vorbei an den behaarten Riesenspinnen, Grabsteinen und Spinnennetzen bis zur Haustür.

„Frischfleisch“, steht da unter einem grinsenden Totenkopf geschrieben. „Täglich frisch gehackt. “.

Hier wohnen die Brenkers aus Molzen – und eben Onkel Herman, der so schrecklich aussieht, dass er die blutroten Puppenköpfe und -Gebeine, die von der Decke im Eingangsflur hängen, glatt in den Schatten stellt: Mit seinen funkelnden Augen und dem giftgrünen, verschrumpelten Gesicht hat er schon so manch einem Gast einen Schauer über den Rücken gejagt – und das darf er auch, denn er ist Teil der Gruselhöhle, in die Elli Brenker ihr Haus jährlich zu Halloween verwandelt.

Und somit ist Onkel Herman in guter Gesellschaft: Der freundliche Sensenmann, gleich neben der Haustür, bietet blutige Gebäck-Finger aus einer Einweg-Nierenschale an, die habe sie selbst gemacht, genauso wie den Pappsarg, den bluttriefenden Bauschaumunterkörper am Boden und sämtliche weitere Details im Gruselhaus, erzählt die 47-Jährige Designerin, während sie die Spinnennetze aus Watte beiseite schiebt, um in die Küche zu gelangen. Was sich dort offenbart, zeugt von drei Wochen harter Arbeit: An Schnüren an der Decke baumeln blutrote Aluminiumbeile und -Messer, aus der Mikrowelle ragt ein dreckiger, blutverkrusteter Papierfuß.

Plötzlich deutet Elli Brenker auf den Esstisch. „Oh, meine Ratte ist tot“, stellt sie mit gespielter Verwunderung fest und klatscht zum Beweis in die Hände: Das Plastiktier steckt mit dem Kopf in der Mausefalle und rührt sich nicht. Klare Diagnose: Die Batterien sind leer. Die Molzenerin winkt ab und erklärt, ohnehin noch einmal sämtliche Funktionen ihrer schaurigen Lieblinge testen zu müssen, bevor der Spuk an Halloween in einer kleinen Party mit Bekannten und Nachbarn mündet. Wo ihre Begeisterung für Halloween ihren Ursprung hat, weiß die Frau aus Mittelfranken nicht, fest steht nur: Sie sei „den Tränen nahe“ gewesen, als im ersten Jahr in Molzen kein Mensch an ihrer Tür geklingelt habe, um allerhand Naschwerk zu verlangen. Elli Brenker hat daraufhin die Werbetrommel gerührt – mit Erfolg, wie sie zufrieden feststellt.

Einmal im Jahr also steht das Haus der Brenkers Kopf. „Einmal im Jahr bin ich komisch“, meint Elli Brenker gerade heraus. Dann ertönt ein markerschütternder Schrei, wenn jemand die Türklingel betätigt, wird gekocht zwischen Augapfelsaft und eingelegten Ohren und hält Katze Lilo auch schon mal ein Schläfchen im Pappsarg. Manch einer schüttele darüber den Kopf, ist sich die Mutter von drei Kindern sicher, „aber die meisten freuen sich – Frauen meist tierisch, Männer meist nicht so.“ Ihrer – Stephan Brenker – nimmt es gelassen. Auch, wenn er sich in diesen Wochen ständig ducken muss, um nicht irgendwo gegenzulaufen und ihm Weihnachten dann doch lieber ist: „Da gibt es schönes, helles Licht.“ Und ihre Kinder? „Die schockt, glaube ich, gar nichts mehr“, meint Elli Brenker – schon allein, weil sie bei den Vorbereitungen und Bastelarbeiten selbst fleißig mit Hand anlegten. Und wer glaubt, die Molzenerin sei Fan von Horrorfilmen und Kriminalgeschichten, der hat sich geschnitten: Komödien mag sie gerne und Dekoration im Allgemeinen. Nur nicht zu Ostern, da gebe es zu viele „Weichspülfarben“, erklärt die 47-Jährige und lacht, dass ihre roten Locken wippen. Trotzdem: Nach Halloween hat der Spuk ein Ende und wandert zusammen mit Onkel Herman und der Bauschaumleiche zurück ins Atomfass.

Von Anna Petersen

Fotos vom Gruselhaus

Das Gruselhaus von Molzen

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