Freispruch nach brutalem Überfall auf Partygänger in der Uelzener Innenstadt

Blut an der Geldbörse

Uelzen. Angetrunkene Partygänger auf dem Heimweg – sie sind ein leichtes Opfer, da ihre Aussagen zumeist wenig hilfreich für die Polizei sind.

Da scheint es dann ein Volltreffer, wenn auf einer gestohlenen Geldbörse das Blut des mutmaßlichen Räubers klebt – zumal, wenn dieser bereits wegen eines ähnlichen Deliktes vor Gericht stand. Doch Andre J. (Name geändert) konnte sich vor dem Amtsgericht Uelzen gestern einmal mehr über einen Freispruch freuen – der brutale Überfall auf einen 48-jährigen Frührentner in der Uelzener Innenstadt bleibt wohl ungesühnt.

Eine große Blutlache auf der Esterholzer Straße, Blutspuren an der Hauswand und Haustür des Opfers – dieses Bild bot sich den Polizisten in jener Freitagnacht. Der Partygänger war mit zwei kräftigen Faustschlägen ins Gesicht niedergestreckt worden, weil er sich weigerte, Geldbörse und Handy herauszurücken. Der Täter entriss das Portemonnaie schließlich mit Gewalt, ein Passant fand es später ein paar Straßen weiter – und daran klebte das Blut des 24-jährigen Andre J. Seine DNA ist beim Landeskriminalamt wegen eines Raubverfahrens registriert.

Der Angeklagte lieferte dem Uelzener Schöffengericht gestern eine spannende Version: Er habe mit seinem Auto in jener Nacht lediglich einen Bekannten abgeholt. Dieser habe ihm gesagt, er habe gerade einen Mann beraubt und ihm die Geldbörse gezeigt. „Ich habe sie ihm dann weggenommen und aus dem Autofenster geworfen.“ Und wie sein Blut dann auf das Portemonnaie komme, wollte der Vorsitzende Richter Rainer Thomsen wissen. Womöglich habe er Nasenbluten wegen einer Überanstrengung im Fitnessstudio gehabt, vermutet der Angeklagte. Ansonsten ist seine Erinnerung an die Nacht nur bruchstückhaft, und den Namen des Bekannten will er auch nicht nennen.

Den Staatsanwalt überzeugte die Version vom Nasenbluten nicht, er forderte eine Verurteilung. Doch dem Schöffengericht reichten die Indizien nicht – so behauptete das Opfer, den Täter schon mehrfach im Stadtgebiet gesehen und erkannt zu haben, als er sich in jener Nacht der Maskierung entledigte. Gestern aber konnte der 48-Jährige den Angeklagten dann doch nicht identifizieren. Man habe letztlich Zweifel wegen der abweichenden Täterbeschreibung, erklärte der Vorsitzende Richter.

Von Thomas Mitzlaff

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