Der Blick auf Uelzens Wahrzeichen

Um abgeplatzte Mosaike an den Hundertwasser-Säulen zu ersetzen, lässt Fliesenplattenmosaiklegemeister Norman Hiemann seine eigene Fantasie spielen. Über dem Haupteingang ziert neuerdings ein Auge die dunkelblaue Kachel. Das Motiv findet sich auf dem Bahnhofsvorplatz wieder. Fotos: Ph. Schulze

Uelzen. Der Lack ist ab, die Kacheln platzen herunter und die Säulen haben Risse – aber jetzt wird geflickt: Seit vier Wochen beheben der Fliesenplattenmosaiklegemeister Norman Hiemann und Geselle Alexander Niedens aus Lehre die Mängel an den Säulen im Hundertwasser-Bahnhof Uelzen. Sie tauschen Fliesen aus, füllen Risse, gestalten Mosaike neu und werden auch selbst kreativ.

Ein Teil der Säule links über dem Haupteingang war defekt, die Keramikschale hatte einen Riss und die Glasur war gesprungen. Hiemann und Niedens tauschten die Kachel aus, und um das ursprüngliche Muster zu ersetzen, behalfen sie sich selbst: Seit vergangenem Montag ziert ein gelbes Auge das glänzende Blau. Augen sind ein beliebtes Motiv bei Hundertwasser, auf dem Bahnhofsvorplatz wurden auch Steine in Augenform verlegt, sagt Hiemann. „Das ist im Sinne Hundertwassers, dass derjenige, der daran arbeitet, seine Fantasie mit einbringt“, betont Innenarchitektin Gabriele Hasselbach-Mersmann aus Braunschweig, die mit Architekt Hajo Mersmann gemeinsam die Bauaufsicht übernommen hat. Ihr Büro war schon mit dem Bau des Hundertwasser-Bahnhofs beschäftigt, nachdem Friedensreich Hundertwasser verstorben war.

In den leerstehenden Räumen des Restaurants im Bahnhof lagern Werkzeug, Fliesen und große „Tonnen“, wie Hiemann die runden dunkelblauen und türkisfarbenen Einzelteile für die Säulen nennt. Auf dem Dach des Bahnhofsgebäudes muss eine dieser Tonnen komplett ausgetauscht werden. Tellergroße Stücke der Glasur sind abgeplatzt und leuchten weiß im Dunkelblau. Das schwere Element kann nicht im Ganzen ersetzt werden, da die Auflast der darüberliegenden Kacheln zu schwer ist, erläutert Mersmann. Die Fliesenleger können nur Stück für Stück vorgehen, eine große Keramik-Kachel wird zersägt und an der Säule wieder zusammengefügt.

„Wir hatten vorher die Einweisung, dass wir keine Wasserwaage benutzen dürfen“, sagt Hiemann und schmunzelt. Für ihn ist die Arbeit an „Bahnhof des Jahres 2009“ eine besondere Abwechslung. Jedes dieser Hundertwasser-Schmuckstücke wird einzeln überprüft, nach und nach erkennen die Handwerker erst das gesamte Ausmaß der Sanierungsarbeiten. „Wir nehmen die Säule genau unter die Lupe und klopfen sie ab“, berichtet Hiemann.

Für Fahrgäste und Mitarbeiter im Bahnhof, die täglich an der Baustelle vorübergehen, sind die Fortschritte nicht auf den ersten Blick erkennbar. Aber diese Vorgehensweise hat seinen Sinn, erklärt Mersmann. Es darf keine Feuchtigkeit unter den Kacheln bleiben, jeder Arbeitsschritt braucht eine gewisse Zeit zum Austrocknen, damit es nicht zu Folgeschäden kommt. Außerdem wurde deutlich, dass sich an manchen Abschnitten im Beton bereits Feuchtigkeit befindet. Diese im Nachhinein komplett austrocknen zu lassen, sei schwierig, beraten sich Hiemann und Mersmann. Sobald die Glasur aufgetragen ist, kann Feuchtigkeit nicht mehr entweichen.

Die Schäden an den Säulen sind in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen. Gerade bei den niedrigen Temperaturen im Winter haben sich die Risse vertieft. „Es sind hier besondere Belastungen für die Säulen wegen der Züge“, sagt Gabriele Hasselbach-Mersmann. „Deshalb sind besondere Instandhaltungsmaßnahmen notwendig.“ Man müsse die Kacheln öfter kontrollieren.

„Das Problem war, dass es nur eine Firma gibt, die die Einzelstücke herstellt“, erklärt Sabine Brunkhorst, Sprecherin der Deutschen Bahn, die Verzögerung der Sanierungsmaßnahmen. „Die Fliesen müssen ja dazu passen.“ Schließlich hat die Firma Baukeramik Ebinger aus Bad Ems das Material vorbereitet. „Die gefährlichsten Stellen haben wir schon fertig gemacht“, sagt Hiemann. Jetzt kommen die Säulen auf der oberen Ebene an die Reihe, für die ein Hubwagen benötigt wird. Zum 30. September will die Firma aus Lehre mit den Arbeiten fertig sein. Dann steht der nächste Umbau an – für das Restaurant „Lässig“.

Von Diane Baatani

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