Gernot Magyar: Welche Wirkung haben neue Kugeln? / Waidmänner müssen sich umstellen

Bleifreie Jagd mit „leichten“ Tücken

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Welche Wirkung haben neue Kugeln?

Uelzen/Landkreis. Christian Mocek ordert schon seit Längerem immer mehr bleifreie Munition. Der Uelzener Jagdausstatter reagiert damit auf eine stetig steigende Nachfrage unter den Jägern nach den Alternativ-Geschossen.

Nun haben die niedersächsischen Landesforsten entschieden, dass künftig im Landeswald nur noch bleifrei gejagt werden darf, sodass er sicherlich seine Bestellungen noch einmal anpassen muss. Eine Frist für einen vollständigen Umstieg wurde bis zum 1. April 2014 gesetzt. Mocek stellt sich vor allem auf Fragen ein, was die neue Munition betrifft. Denn während seit Generationen schon Erfahrungen mit den bleihaltigen Geschossen gesammelt worden seien, so der Jagdausstatter, stünde man bei den neuen Geschossen noch am Anfang. Mocek weiß, die bleifreien Geschosse sind leichter als die üblichen, damit bei abgegebenen Schüssen schneller unterwegs, würden dadurch jedoch ihre Energie, mit der sie auf das Ziel treffen, auch früher verlieren. Gerade diese Energie sei aber für das Verhalten der Kugeln beim Aufprall bedeutsam. Wenn sie nicht „auspilzen“, was zu einem Verenden der Tieres führt, sondern wieder aus dem Körper des Wildes austreten, könnte dies lediglich Verletzungen nach sich ziehen.

Dies, so erklärt Gernot Magyar, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Uelzen, stelle die Jäger vor die Herausforderung, sich mit den Geschossen vertraut zu machen. Glücklicherweise gebe es im Kreis Uelzen einen Schießstand für die Jägerschaft, auf dem mit bleifreier Munition geschossen werden dürfe. Wegen des abweichenden Verhaltens der Kugeln beim Schießen seien bauliche Vorkehrungen getroffen worden. Auf dem Schießstand könnten die Waffen auf die Munition eingeschossen werden.

Magyar gibt zudem zu bedenken, dass die Alternativ-Geschosse aus Kupfer sind, was die Frage aufwerfe, ob diese nicht genauso problematisch seien wie die Bleikugeln. „Dazu gibt es noch keine Erkenntnisse“, sagt Magyar. Mit der Entscheidung der Landesforst sollen eigentlich gesundheitliche Risiken für den Menschen ausgeschlossen werden, weil damit Bleirückstände im Wildbret verhindert werden. Auch aus Gründen des Greifvogelschutzes, so teilte die Landesforst mit, seien bleifreie Geschosse zu bevorzugen: In der Vergangenheit sei es immer wieder zu Vergiftungen bei Seeadlern durch Bleirückstände aus der Nahrungskette gekommen. Was nach Ansicht von Gernot Magyar erklärbar ist, weil die Magensäure der Tiere die Bleigeschosse zersetzen könnte, aber die Magensäure des Menschen sei dazu nicht in der Lage. „Aber“, so fragt der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, „wie wirken sich Kupferrückstände aus?“ Die Jäger erwarteten dazu Antworten aus Untersuchungen und vom Innenministerium. In jedem Fall werde das Thema die nächste Vorstandssitzung der Kreisjägerschaft bestimmen, kündigte Magyar an.

Im Landeswald werden jährlich insgesamt etwa 30 000 Stück Rot-, Dam-, Schwarz- oder Rehwild geschossen. Neben den Mitarbeitern der niedersächsischen Landesforsten erlegen private Jäger einen Großteil der Tiere, etwa 75 Prozent des Wildes.

Von Norman Reuter

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