Aktuelle Online-Betrügereien im Keim ersticken: Uelzener Kripo gibt Tipps

Wo bleibt meine Ware?

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Um Betrügern im Netz auf die Schliche zu kommen, bleibt für gewöhnlich nur ein kleines Zeitfenster. Die Uelzener Kriminalpolizei gibt Tipps, wie Käufer und Verkäufer auf Online-Plattformen nicht so leicht zu Opfern werden.

Uelzen/Landkreis. Erst vor wenigen Tagen wurde eine 29-jährige Angeklagte vor einem Uelzener Schöffengericht zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt, ihr 48 Jahre alter Familienangehöriger erhielt zehn Monate Haft auf Bewährung.

15 Mal haben sie Waren in einem Online-Versteigerungsportal inseriert. Die Waren kamen jedoch nie bei den zahlenden Kunden an (AZ berichtete). Kriminaloberkommissar Frank Deneke vom Polizeikommissariat Uelzen weiß, welche Schlupflöcher Betrüger nutzen und wann Verbraucher spätestens reagieren müssen – mit einer Strafanzeige.

„Schnellstmöglichst“, lautet sein kompromissloser Rat. Denn den Tätern komme man in den meisten Fällen nur auf die Schliche, so lange ihre Spuren noch nicht verwischt seien. Bei Online-Betrug sind mit Spuren die IP-Adressen gemeint. Und diese müssen zeitnah gesichert werden. Denn mit den Nutzungsdaten dürfen sich die Telekommunikationsanbieter heute in der Regel nicht mehr bevorraten. Also werden sie nach einer Frist gelöscht und Online-Betrügereien sind somit schwer – oder gar nicht mehr – einem Täter zuzuordnen.

• Strafanzeige an Tag vier nach der Bestellung?

Aber was bedeutet das im Alltag? „Ganz einfach“, so Deneke, „Verbraucher sollten erwarten können, dass im Internet gekaufte Ware noch am selben, spätesten aber am Tag nach dem Kauf versendet würde. Für gewöhnlich benötigt die Ware auf dem Postweg ein, zwei Tage“, sagt der Kriminaloberkommissar weiter. Darauf sollten Verbraucher drängen. Ist die bestellte und bezahlte Ware am vierten Tag nicht da, kann eine Strafanzeige bei der Polizei sinnvoll sein, ist von dem Beamten zu vernehmen. „Sollte die Ware doch noch ankommen, machen wir bei uns einfach einen entsprechenden Vermerk“, erklärt der Experte für Betrugsdelikt, und die Sache sei vom Tisch. Falls nicht, und es liege ein Betrugsdelikt vor, „so haben wir die Daten gesichert“, begründet Deneke das entschiedene Handeln. Die Aussichten auf Erfolg seien gut.

• Selten gibt es Hilfe aus dem Ausland

Der Erfolg sei jedoch nicht garantiert. Es gebe Ausnahmen nämlich dann, wenn die Täter aus dem Ausland agieren. Die Ordnungshüter aus Großbritannien beispielsweise würden für Geschädigte aus Deutschland erst ab einer Schadensumme von mehr als 10 000 Euro aktiv. „Das wissen die Betrüger natürlich“, betont Oberkommissar Deneke. So landete auf dem Schreibtisch des Beamten ein Fall, bei dem ein Uelzener ein Fahrzeug für etwas mehr als 9000 Euro via eines Online-Portals von einem Kontakt in England gekauft und bezahlt hatte. Die – natürlich gefälschten – Überführungspapiere wiegten den Käufer zunächst in Sicherheit. Bis schließlich feststand, dass der Uelzener Autokäufer einem Betrug aufgesessen war. Das Geld war futsch und Hilfe von den britischen Behörden nicht zu erwarten.

• Auch Verkäufer betroffen

Mittlerweile müssen auch ehrliche Verkäufer bei augenscheinlich sicheren Bezahldiensten wie PayPal sehr auf der Hut sein. Sie müssen darauf achten, ob Geldbeträge tatsächlich fließen, oder ob es nur den Anschein hat. „Denn die Täter schicken den Kunden einfach gefälschte Zahlungsbestätigungen, die den Originalen zum Verwechseln ähnlich sehen“, schildert der Betrugsexperte die Masche.

Einfach, aber effektiv sei dieses Vorgehen. Denn erst ein sehr prüfender Blick in den sogenannten E-Mail-Header verrät, ob die elektronische Nachricht tatsächlich von dem Bezahldienst versandt wurde, oder nicht. Skeptisch müssen Verkäufer also spätestens dann werden, wenn hinter einer vermeintlich korrekten Absender-Adresse eine – meist kryptische – E-Mail-Adresse angezeigt wird.

Uelzener Verbrauchern rät Kriminaloberkommissar Deneke, Betrugsdelikte zielgerichtet zur Anzeige zu bringen. Und im Gegensatz zu Betrügereien aus dem Ausland gebe es hierzulande keine Mindestschadenshöhe. Der Ermittler unterstreicht: „Und wenn es nur um 2,75 Euro geht, ist es immer noch eine Straftat.“

Von Michael Koch

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