1996 wurde Yasmin Stieler Opfer eines Verbrechens – im Oktober verjährt es

Bleibt der grausame Tod einer Uelzenerin ungesühnt?

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Eines der letzten Bilder von Yasmin Stieler (†)

Uelzen. Es ist eines der grausamsten Verbrechen in der Uelzener Nachkriegsgeschichte – und es bleibt womöglich für immer ungesühnt.

Der gewaltsame Tod der 18-jährigen Yasmin Stieler, die am 6. Oktober 1996 bei einem Discobesuch in Braunschweig von einem Unbekannten ermordet und zerstückelt worden war, könnte in diesem Herbst verjähren.

Denn Juristen gehen davon aus, dass es nach so langer Zeit kaum möglich sein wird, einem Verdächtigen einen Mord nachzuweisen. Übrig bliebe dann Totschlag – aber der verjährt nach 20 Jahren und somit im Oktober 2016.

Das Grab der getöteten Schülerin auf dem Wrestedter Friedhof – der genaue Todestag ist nicht bekannt.

Für die Mutter von Yasmin, Rosemarie Schäfer, eine unerträgliche und unfassbare Situation – denn die Polizei ist überzeugt, den Täter zu kennen. Dieser saß schon in Untersuchungshaft, die Staatsanwaltschaft erhob Anklage. Doch das Landgericht Braunschweig lehnte es ab, den Prozess zu eröffnen. Denn die Indizien reichten den Richtern nicht. „Dabei hat der Mann den Ermittlern indirekt doch selbst gesagt, wo sie den Spaten finden, mit dem Yasmins Torso vergraben worden war“, sagt die fassungslose Mutter.

Tatsächlich wurden die Beamten auf dem angegebenen Dachboden fündig, der Spaten wies sogar noch Erdreste vom Fundort des Torsos auf. Der Arbeitgeber des Verdächtigen hatte die Polizei selbst auf die Spur des Verdächtigen gebracht; dieser behauptete unter anderem die Fahrtenschreiber seines Lastwagens, die Rückschlüsse auf sein Alibi gegeben hätten, gegessen zu haben – für die Richter war das alles zu dünn.

„Ich möchte ihm gerne einmal begegnen, ihm ins Gesicht sehen“, sagt Rosemarie Schäfer über den Verdächtigen, der heute mit seiner Familie in Vechelde lebt, dem Ort, in dessen Nähe auch der Torso gefunden wurde. Bis heute weiß die Mutter nicht, wo die Hände ihrer Tochter vergraben sind. „Und solange ich nicht den ganzen Körper meiner Tochter beerdigt habe, finde ich keinen Frieden“, sagt sie.

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