Wiedersehen mit Frieda & Anneliese begeisterte 700 Ilmenautheater-Besucher

Bleibt alles beim Alten

Während Frieda im Altenheim vermodert will der hinterhältige Günther (Dietmar Wischmeyer) Mastställe aus ihrem Haus bauen.

Uelzen. Es war einmal Frieda im beschaulichen Plattengülle – aber im Idyll nördlich der „Bienenstichgrenze“, geht ein Gespenst um. Menschenfänger sind unterwegs, die alte Leute mit Schaumparties locken.

Auch Quälgeist Frieda Horstmannskötter gerät in die Klauen der Seniorenresidenz Moderfrieden-AG und muss sich dem„Quality-Ablebing“ beugen. Zum Glück gibt es Anneliese – vor allem für die Rund 700 begeisterte Besucher des Ilmenautheaters. Denn die zwei garstigen Landfrauen versprühen natürlich nur im bewährten Doppelpack ihr beliebtes Gift.

Nach fast zehn Jahren Radio-Comedy haben die ffn-Stars Dietmar Wischmeyer und Sabine Bulthaup sich eine so beachtliche Fangemeinde erschaffen, dass sie als Frieda und Annliese inzwischen Theatersäle im ganzen Land füllen. Kein Wunder: Sie haben die Einführung der 5-stelligen Postleitzahlen überlebt, tragen Schlüpfer aus der Adenauerzeit und schlagen sich mit „Andersrum-Söhnen“, schnapsnasigen Ehemännern und Verwandten in „Beamtenstarre“ herum, tanzen zu „Ein bisschen Graß muss sein“ und motzen sich einmal quer durch das aktuelle Weltgeschehen.

Im dritten Teil der Dorftrilogie „Das letzte Hemd“ hat Frieda ihr gesamtes Hab und Gut seit Beginn der Eurokrise in Reichsmark umgetauscht, im Isolationshaft-anmutenden Altenheim gibt es keine Zivildienstleistenden mehr und das Leben wird sinnlos durch Fahrradhelme verlängert. Neben äußeren Umständen wie Friedas Gefangenschaft bleibt im Comedy-Konzept der einstigen „Frühstyxradio“-Darsteller alles beim Alten. Mit knapp drei Stunden stilsicherer Geschmacklosigkeit amüsierten die schrulligen Damen das Uelzener Publikum nach bestem Wissen. Neben ebenso gekonnten wie gewünschten Griffen unter die Gürtellinie bekamen die tränenlachenden Gäste Lebens- und Bauernweisheiten, wie „den klaren sieht die Leber nicht“ zu hören. Das Sabine Bulthaup die neben Anneliese auch Enkel Erwin – für „Bafög“ bis zur Rente und gegen Massentierhaltung demonstrierend spielte, auch an Gitarre und Trompete eine gute Figur machte, ging dabei fast ein bisschen unter. Verständlicherweise. Immerhin ist ihr Auftrag ja auch Frieda zu befreien. Denn als die ewig Nörgelnde mit nicht versteuertem Schwarzbrot erwischt und ans Bett gekettet wird und auch Sohn Reinhard nach seiner Festnahme wegen Unterschlagung der gesamten Hundesteuer Niedersachsens nicht mehr helfen kann, muss ein guter Plan her. Heldenhaft tauscht Anneliese die Rolle mit der gefangenen Freundin und „stirbt“ für sie im Altenheim. „Im letzten Hemd und mit den Füßen zu erst“, entkommt sie so den Fängen der Moderfrieden-AG. Weil aber altes Fleisch zäh und das Konzept des derben Humors nicht totzukriegen ist, sägt sie sich bei der eigenen Beerdigung aus dem Sarg – in diesem Sinne und zur Freude der Fans geht der „Schrecken ohne Ende“ vermutlich weiter

Von Lea Bernsmann

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