Aber sie bleiben verschwunden

Suche nach Familie aus Drage: 15 Hinweise nach TV-Sendung „Aktenzeichen“

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Polizisten durchsuchen am 05. August bei Winsen-Drage (Niedersachsen) das Elbufer. Im Fall einer verschwundenen Familie in Drage (Landkreis Harburg) haben die Ermittler zahlreiche neue Hinweise aus der Bevölkerung erhalten.

Drage. „Wir haben noch einen Funken Resthoffnung, dass die beiden wieder auftauchen. Aber wir haben auch die größte Befürchtung, dass sie vom Familienvater getötet wurden“, sagt Polizeisprecher Jan Krüger gestern zur AZ.

Von Sylvia Schulze und ihrer Tochter Miriam fehlt jede Spur – die Polizei geht mittlerweile davon aus, dass der Familienvater beide tötete, bevor er sich selbst das Leben nahm.

Einen Tag, nachdem der Fall der verschwundenen Familie aus Drage bundesweit in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ bekannt gemacht wurde, gibt es mehr als ein Dutzend neuer Hinweise – aber noch keine heiße Spur. Sylvia (43) und Mirijam (12) Schulze aus dem kleinen Ort bei Winsen/Luhe bleiben verschwunden. Familienvater Marco Schulze war, wie berichtet, am 31. Juli tot in der Elbe treibend gefunden worden. „Wir sind uns sicher, dass er sich selbst das Leben genommen hat“, schließt Jan Krüger ein Tötungsdelikt aus.

Bei Mutter und Tochter halten die Ermittler ein Verbrechen dagegen für sehr wahrscheinlich – auch wenn man bislang kein eindeutiges Motiv gefunden hat: „Wir wissen von keinem gravierenden Vorgang, der das Familiendrama womöglich ausgelöst haben könnte“, so der Polizeisprecher zur AZ. 15 Hinweise waren nach der TV-Sendung am Mittwochabend bei der Sonderkommission eingegangen, eine konkrete Spur auf den Aufenthaltsort von Mutter und Tochter haben die Ermittler aber nach wie vor nicht.

Die verschwundene Familie – eine Chronologie:

• 21. Juli (Dienstag): Die Familie besucht laut Polizei gemeinsam einen Pferdehof in der Nähe von Drage.

• 22. Juli (Mittwoch): Letzter Schultag in Niedersachsen. Die Mutter wird das letzte Mal lebend gesehen, an ihrer Arbeitsstelle bei einem Discounter. Die Polizei geht davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Tochter noch lebt.

• 23. Juli (Donnerstag): Zeugen wollen den Vater am Morgen im Auto der Frau an der Elbe auf dem Weg von Stove nach Drage gesehen haben.

• 24. Juli (Freitag): Der Arbeitgeber der Frau ruft bei der Polizei an und meldet sie als vermisst. Beamte aus Winsen (Luhe) kommen, das Haus wird wenig später geöffnet.

• 25. Juli (Samstag): Die Polizei sucht mit Unterstützung der Feuerwehr in Drage weiter nach den Vermissten. Ein Hubschrauber steigt auf.

• 27. Juli (Montag): Die Polizei geht an die Öffentlichkeit, auch mit Fotos der drei Vermissten. Parallel wird auch mit Hunden gesucht.

• 28. Juli (Dienstag): Taucher suchen an einer beliebten Badestelle nach den Vermissten.

• 30. Juli (Donnerstag): Eine Sonderkommission wird eingerichtet. Die Zahl der Ermittler wird von 15 auf 25 erhöht. In Winsen wird am Bahnhof das Herrenfahrrad des 41-Jährigen gefunden.

• 31. Juli (Freitag): In Lauenburg wird ein Ertrunkener geborgen, es ist der vermisste Vater. Die Polizei schließt Fremdverschulden aus. Noch in der Nacht finden Taucher der Feuerwehr ein Damenfahrrad aus dem Besitz der Familie im Fluss unter der Brücke, von der der 41-Jährige in die Elbe gesprungen sein soll. Rund 50 Polizisten und Feuerwehrleute sind im Einsatz.

• 1. August (Samstag): Polizeitaucher und ein Sonarboot suchen bei Lauenburg weiter nach der vermissten Frau und ihrer Tochter.

• 4. August (Dienstag): Die Taucher suchen erneut in der Elbe bei Drage nach der Frau und dem Kind. Mittlerweile sei die Vermutung einer Familientragödie relativ groß geworden, heißt es von der Polizei.

• 5. August (Mittwoch): Mehr als 100 Polizisten und sechs Leichenspürhunde durchsuchen das Deichvorland bei Drage.

• 12. August (Mittwoch): Die Polizei sucht in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ nach möglichen Zeugen.

Von Thomas Mitzlaff

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