Erst einbrechende Gewinne, jetzt hohe Schadensersatzforderungen

Bittere Zeiten für Nordzucker

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tm Uelzen/Braunschweig. Erst die Nachricht von Millionenverlusten und jetzt droht auch noch ein teurer Rechtsstreit vor Gericht mit ungewissem Ausgang: Der Braunschweiger Nordzucker-Konzern kommt aktuell aus den Negativ-Schlagzeilen nicht heraus.

So schrieb das Unternehmen, das eines seiner großen Werke in Uelzen betreibt und einstmals größter Gewerbesteuerzahler der Stadt war, auch im jüngsten Quartal 6,9 Millionen Euro Verlust (AZ berichtete). Grund ist unter anderem der Einbruch des Zuckerpreises.

Turbulente Zeiten für das Uelzener Nordzucker-Werk – jetzt verodnete sich das Unternehmen konzernweit ein Effizienzprogramm.

Und jetzt die nächste Hiobsbotschaft: Zunächst verhängte das Bundeskartellamt nach der Aufdeckung des Zuckerkartells gegen die Unternehmen Pfeifer&Langen, Südzucker und Nordzucker wegen verbotener Wettbewerbsabsprachen Bußgelder von rund 280 Millionen Euro. Und jetzt fordern immer mehr Kunden darüber hinaus auch noch Schadenersatz. Und das könnte für die Unternehmen deutlich teurer werden. „Die Schadenersatzforderungen könnten die Größenordnung von 500 Millionen Euro erreichen. Nestlé alleine fordert ja 50 Millionen Euro“, meint der Düsseldorfer Kartellrechtsexperte Johann Brück. „Und Gott und die Welt prüfen inzwischen Klagen – von den großen Einkaufsgenossenschaften der Bäckereien bis hin zu Molkereien und Konfitüren-Herstellern.“

Tatsächlich wächst die Zahl der Klagen ständig. Die Markenhersteller Bauer, Ehrmann und Zentis klagen vor dem Kölner Landgericht gemeinsam auf Schadenersatz in Höhe von fast 119 Millionen Euro. Der Printenhersteller Lambertz fordert 11,6 Millionen Euro. Nestlé will vor dem Landgericht Mannheim 50 Millionen Euro Schadenersatz einklagen. Katjes verlangt mit Zinsen gut 37 Millionen Euro. Fast bescheiden wirkt da Pfefferminzhersteller Vivil mit seiner Forderung nach 1,3 Millionen Euro.

Die Zuckerhersteller selbst zeigen allerdings zumindest öffentlich wenig Zahlungsbereitschaft. Nordzucker betonte in seinem jüngsten Geschäftsbericht, man gehe davon aus, „dass durch die vom Bundeskartellamt festgestellten Umstände kein Schaden bei den Abnehmern von Zucker entstanden ist“.

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