Firma Choren aus Sachsen beantragt Insolvenz / Ansiedlungspläne für „SunDiesel“-Anlage am Elbe-Seitenkanal scheiterten 2006

Biosprit-Werk in Uelzen: Einstiger Interessent ist pleite

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bs Uelzen. Die Pläne klangen vielversprechend, die Verträge waren fast unterschriftsreif: Vor fünf Jahren meldete der Biokraftstoff-Hersteller Choren aus dem sächsischen Freiberg sein Interesse an, im Uelzener Hafen eine Produktionsanlage für den von ihm entwickelten künstlichen Kraftstoff „SunDiesel“ zu errichten (AZ berichtete).

Doch im Dezember 2006 gab das Unternehmen plötzlich bekannt, sich nicht in Uelzen ansiedeln zu wollen. Zudem wurden die Pläne, „SunDiesel“ aus Biomasse zu produzieren, niemals verwirklicht. Jetzt folgt die nächste Überraschung: Choren hat Insolvenz angemeldet.

Nach Auskunft des vorläufigen Insolvenzverwalters erstreckt sich der Antrag sowohl auf die Choren Industries GmbH als auch auf zwei Tochterunternehmen. Zusammen haben diese etwa 290 Mitarbeiter. Vom Insolvenzverfahren unberührt bleiben zunächst die ausländischen Choren-Gesellschaften in China und den USA.

Die Insolvenzverwalter beabsichtigen nach eigenen Worten, die Unternehemensgruppe über einen Insolvenzplan oder über den Verkauf an einen Investor zu sanieren. „Die Choren-Gruppe gehört zu den Innovationsführern in einer Wachstumsbranche und verfügt über eine wettbewerbsfähige Technologie mit echten Alleinstellungsmerkmalen“, erklärte Bruno Kübler, einer der Insolvenzverwalter. Das Insolvenzverfahren biete deshalb gute Chancen für eine Rettung und nachhaltige Entwicklung der Gruppe.

„Die Insolvenzanmeldung ist bedauerlich“, sagte Marlis Kämpfer, Leiterin der Wirtschaftsförderung „Uelzen aktiv“, gestern auf AZ-Nachfrage. „Aber es gibt leider immer wieder Hindernisse, die ein Projekt zum Sterben bringen.“ Obwohl Choren einer Ansiedlung im Uelzener Hafen 2006 eine Absage erteilte, habe der hiesige Wirtschaftsstandort vom damaligen Vorhaben profitiert. „Dadurch sind andere Anbieter im Bereich der Biomasse-Verarbeitung auf Uelzen aufmerksam geworden“, sagte Kämpfer. „Wir sind zurzeit in Ansiedlungsgesprächen mit mehreren Anbietern.“

Für die Stadt Uelzen war die Absage von Choren seinerzeit eine herbe Enttäuschung. Etwa 450 Millionen Euro wollte Choren auf einem 20 Hektar großen Areal zwischen Elbe-Seitenkanal, Bundesstraße 4 und Hafen investieren, hieß es damals. Geplant war, dass die Anlage pro Jahr rund 170 Millionen Liter „SunDiesel“ liefert, der herkömmlichem Diesel beigemischt und an Tankstellen verkauft werden sollte. Darüber hinaus wollte wollte im Uelzener Werk 120 bis 150 Arbeitsplätze schaffen.

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