Biogas aus Zuckerrüben

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Der Rübenanbauer- und Aktionärsverbands Nord plant die Gründung einer Vermarktungsgesellschaft für Biogas-Substrat aus Zuckerrüben. Ziel ist, die Gewinne in der Region zu belassen.

Uelzen. - Von Jürgen Köhler-Götze In Niedersachsen stehen rund 20 Prozent der Biogasanlagen Deutschlands und in diesen Tagen wird die magische Zahl von 1000 Anlagen im Bundesland überschritten. Viele dieser Anlagen werden mit Mais betrieben, das böse Wort von der „Vermaisung“ der Landschaft macht die Runde. Inzwischen gehen immer mehr Behörden dazu über, Biogasanlagen nur unter der Auflage zu genehmigen, dass diese mit „diversen Fruchtfolgen“ beschickt werden und eben nicht nur vornehmlich mit Mais.

„Die Rübe wandert ins Biogas ein“, skizzierte Eckhard Hinrichs, Vorsitzender des Rübenanbauer- und Aktionärsverbands Nord, eine mögliche Alternative. Eine durchaus interessante Perspektive für die rund 1500 im Verband zusammengeschlossenen Landwirte, vor allem dann, wenn der Zuckerpreis auf lange Sicht sinkt – wovon auszugehen ist. Die Zuckerrübe liefert gegenüber Mais eine um 23 Prozent höhere Energieausbeute. Nimmt man das Rübenblatt noch dazu, liegt die Rübe um 47 Prozent vor dem Mais.

Weit fortgeschritten ist beim Verband die Planung für die Gründung einer Vermarktungsgesellschaft für Biogas-Substrat aus Zuckerrüben. Mit im Boot ist dabei der benachbarte Verband der Zuckerrübenanbauer im Hunte-Weser-Gebiet aus Syke, der rund 500 Mitglieder vertritt.

Ziel der Gesellschaft ist es, die Gewinne bei den Rübenbauern und in der Region zu belassen. „Wenn wir die Entwicklung abwarten, dann machen sich auf dem Gebiet Leute breit, die nichts mit dem Rübenanbau zu tun haben“, warnte Eckhard Hinrichs.

Im hiesigen Verbandsgebiet sind etwa 300 Biogasanlagen in Betrieb, im Hunte-Weser-Gebiet sind es etwa 330. Es gehe nicht darum, Überrüben abzuschöpfen, machte Hinrichs deutlich. Um verlässlich liefern zu können, müssten Verträge mit den Landwirten geschlossen werden. Die zeigten sich auf der Mitgliederversammlung durchaus interessiert. Für viele von ihnen lohnt es sich wegen der Entfernung ihrer Höfe zur Zuckerfabrik nämlich nicht, Industrierüben an Nordzucker zu liefern.

Die Vertriebsgesellschaft solle nicht in Konkurrenz zu Nordzucker arbeiten, betonte Hinrichs. Man suche im Gegenteil die Kooperation und das Gespräch mit dem Konzern. Es seien schließlich Fragen der Logistik zu klären und es würden Lagerplätze gebraucht.

Claus Pommerehne, bei der Nordzucker AG Ansprechpartner für Biogasrüben, bestätigt „ein erstes politisches Gespräch“, möchte aber darüber hinaus keine Stellung zu den Planungen nehmen.

Im Gespräch mit der AZ zeigt sich, dass es vielen Rübenbauern nicht so sehr um höhere Einkommen geht, sondern um mehr Unabhängigkeit vom einzigen Abnehmer ihrer Rüben, der Nordzucker.

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