Endfassung des Landschaftsrahmenplans im Umweltausschuss heftig umstritten

„Biodiversität ernstnehmen“

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Die Feuerlilie gehört im Landkreis Uelzen zu den zwölf besonders stark gefährdeten Pflanzenarten. Gebiete für den Pflanzenartenschutz wurden im Landschaftsrahmenplan ausgewiesen.

Uelzen. Die Sorge um sinkende Chancen für Haus- oder Straßenbau hat einige Mitglieder des Umweltausschusses des Kreises umgetrieben.

Denn die aktuelle Endfassung des Landschaftsrahmenplanentwurfs sieht vor, dass bebaute Grundstücke nach aktuellem Stand in ein Landschaftsschutzgebiet fallen. Wer künftig anstrebt, seine Gebäude zu erweitern oder überhaupt Grundstücke im Landkreis Uelzen zu bebauen, kann dies mit Rücksicht auf den neuen Landschaftsrahmenplan realisieren. Der Plan habe keinerlei rechtliche Wirkung, betonte Heike Engelhardt aus der Unteren Naturschutzbehörde in der Sitzung des Umweltausschusses. Der Plan werde als Empfehlung gewertet, unter anderem für das Regionale Raumordnungsprogramm und für Bauleitpläne. So seien aus dem aktuellen Entwurf zum Beispiel auch der Straßenverkehrsbehörde Daten für die Planungen der A 39 zur Verfügung gestellt worden.

Vier neue potenzielle Naturschutzgebiete sind in der neuen Fassung des Plans angegeben: die Vierenbachniederung östlich des Elbeseitenkanals, der Ostteil des Jastorfer Sees, die Wipperauniederung zwischen Dörmte und Borg sowie das Schwemlitzer Moor.

Otto Schröder, Bürgermeister der Gemeinde Gerdau, stimmte gegen den Vorschlag der Verwaltung, „die Fertigstellung des Landschaftsrahmenplans zustimmend zur Kenntnis“ zu nehmen. Die Ausweisung von Flächen als Vorranggebiete gehe ihm zu sehr an die Dörfer heran, „teilweise bis auf die bebauten Grundstücke“, kritisierte er. „Ich kann das zur Kenntnis nehmen, aber nicht zustimmend.“ Seine drei Kollegen aus der CDU enthielten sich, fünf Ja-Stimmen fanden somit dennoch die Mehrheit. Somit wird der Entwurf nun abschließend dem Niedersächsischen Ministerium für Umwelt und Klimaschutz vorgelegt und anschließend als neuer Landschaftsrahmenplan im Internet veröffentlicht.

Dass Hauseigentümer einen „Schrecken“ bekommen, wenn sie sehen, dass ihr Haus inmitten des Naturschutzgebietes liege, befürchtete auch SPD-Kreistagsmitglied Hans-Jürgen Drögemüller aus Suderburg. Die einzelnen Grundstücke aus den Vorranggebieten herauszunehmen, könne ein Landschaftsplan auf Kreisebene jedoch nicht leisten, hielt Heike Engelhardt den Kritikern entgegen. „Was ich mir wünsche, ist, dass wir die letzten sechs Jahre ein Gutachten erstellt haben, das vor Ort auf Akzeptanz stößt, sonst wäre das fatal“, sagte Engelhardt. Der Plan erleichtere der Verwaltung eine Aussage über Kompensationsflächen für den Naturschutz, wenn Neubau-Pläne eingereicht würden.

„Das Problem ist, dass wir eine Inflation von geschützten Biotopen bei uns im Landkreis zu verzeichnen haben“, sagte Jörg Martens (CDU) aus Holdenstedt. „Wir müssten dahin kommen, dass wir diese Inflation nicht noch weiter ausufern lassen.“ Weit über 50 Prozent des Landkreises seien mit „irgendetwas belegt, so dass wir nicht ran können, nur weil irgendein Kartierer durch die Gegend gelaufen ist“, zeigte er sich aufgebracht. „Wenn wir Biodiversität ernstnehmen wollen, die vielen kleinen Arten, die zurückgehen, dann sind sie halt zu schützen“, wurde ihm entgegengehalten. Der Landkreis habe die Pflicht, Schutzgebiete festzulegen. „Herr des Verfahrens zur Ausweisung von Schutzgebieten ist der Kreistag“, betonte daraufhin Dezernent Frank Peters. Der Landschaftsrahmenplan biete dafür nur fachliche Empfehlungen.

Von Diane Baatani

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