Energieanbieter verzeichnen aber kaum schlechtere Zahlungsmoral

Bio-Strom zehrt am Geld

Uelzen/Landkreis. Sechs bis sieben Werktage verstreichen, bis die erste Mahnung der Stromversorgung Osthannover (SVO) GmbH im Postkasten des säumigen Kunden landet.

„Sie enthält einen ersten Hinweis auf die Sperrberechtigung“, sagt Andreas Gerow, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der SVO Holding GmbH. Eine wirkliche Sperrung allerdings erfolgt erst nach vier Wochen. Denn nach der ersten Mahnung verstreichen 14 Tage, dann folgt die zweite. Auch mit dem Hinweis, dass die SVO von der Sperrung Gebrauch machen wird.

Nach weiteren vier Tagen erfolgt die Sperrandrohung. „Wer jetzt nicht zahlt, der bekommt Besuch von einem Außendienstler“; sagt Gerow. Das genaue Datum des Besuchstermins steht in der Sperrandrohung. „Es ist allerdings eher die Ausnahme. Die Leute wollen nicht ohne Strom sein“, sagt Gerow. So käme es ganz, ganz selten vor, dass der Strom abgedreht werden muss. Genaue Zahlen will der Pressesprecher jedoch nicht nennen. Die Zahl der Sperrungen habe sich bei der SVO in den letzten Jahren allerdings nicht spürbar verändert.

Ähnlich äußert sich Mirco Pinske, Marketingleiter der Stadtwerke Uelzen, die das Stadtgebiet mit Strom beliefern. „Ich kann nicht sagen, dass es einen deutlichen Unterschied zum vergangenen Jahr geben würde“, meint er. Das erklärt er auch damit, dass Naturstrom, den die Stadtwerke ausschließlich liefern, eine andere Wertigkeit in der Bevölkerung habe. Man tue sich leichter, den natürlichen Strom zu bezahlen. Zahlt jemand nicht, setzt es zuerst Mahnungen, dann die Androhung, den Strom abzustellen, und vier Wochen danach darf das Unternehmen dann die Lieferung einstellen.

Dass natürlich erzeugter Strom geliefert wird, hat aber auch einen Nachteil: Die Energiewende, also die Gewinnung von Energie aus Quellen wie Biogas, Wind-, Wasser- und Solaranlagen, sei laut Pinske aber auch für den Anstieg der Strompreise verantwortlich: „Das war der Fukushima-Effekt“, sagt er. Durch die Katastrophe in Japan sei die Nachfrage an Bio-Strom gestiegen, dadurch habe sich der Preis auch erhöht – begehrte Ware steigt im Wert.

Vor einem knappen Jahr hätten die Stadtwerke das letzte Mal ihre Preise angehoben – im Grundversorgungstarif von 23,05 auf 24,7 Cent pro Kilowattstunde. Legt man einen Haushalt von vier Personen mit einem Jahresverbrauch von etwa 4500 kWh zu Grunde, kommt man dabei auf 1111 Euro pro Jahr, das wären 74 Euro mehr als vor der Erhöhung. Allerdings würde die Mehrzahl der Kunden der Stadtwerke Festpreisprodukte wählen, deren Preis sich für beispielsweise zwei Jahre nicht verändert. Das käme auch dem Betrieb zugute, weil der dann besser planen könne. Bei der SVO zeigt sich ein ähnliches Bild, was die Entwicklung der Strompreise angeht. Seit 1999 ist eine leichte Steigerung erkennbar. Privatkunden mit dem Tarif SVO StromXL und einem Verbrauch von 4000 kWh im Jahr haben vor 13 Jahren einen SVO-Anteil von 353 Euro gezahlt – bei Gesamtkosten von 519 Euro. 2011 waren es 512 Euro, wobei die Gesamtkosten allerdings 941 Euro betrugen (siehe Grafik unten). „Der Staatsanteil hat in den letzten zehn Jahren um 200 Prozent zugenommen“, sagt Andreas Gerow.

Von Kai Hasse und Jörn Nolting

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