Streetworker seit zwei Monaten im Einsatz / Bahnhofsbereich bildet Arbeitsschwerpunkt

Die „Bier-Fraktion“ vom Bahnhof

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Häufiges Bild an der Rückseite des Bahnhofs: Hier treffen sich fast täglich 15 bis 20 Personen, die sich untereinander austauschen. Vor allem ihr Bierkonsum wird als problematisch wahrgenommen.

Uelzen. Knapp zwei Monate ist er jetzt im Dienst und zumeist an einem Brennpunkt im Einsatz – dem Gelände am Uelzener Busbahnhof.

Seine Klientel seien Personengruppen, „die durch ihr abweichendes Verhalten irritieren“, schilderte der neue Uelzener Streetworker Steffen Siegert jetzt vor dem Uelzener Präventionsrat. Beispiel ZOB: Die Personengruppen, die sich dort aufhalten und zumeist reichlich Alkohol konsumieren, stoßen bei vielen Passanten auf Ablehnung. „Der Suchtbereich nimmt einen großen Raum ein“, erläutert Steffen Siegert die typischen Fälle, mit denen er sich befasst. Seit Januar ist der Streetworker mit seiner Kollegin Ulla Brinkop unterwegs in Uelzen.

Innerhalb kürzester Zeit sei es gelungen, hervorragende Bedingungen für die künftige Arbeit zu leisten, berichtete Siegert über die Anfänge seines Wirkens. Ein erster konkreter Schritt bestand darin, sich einen Überblick zu verschaffen, welche Zielgruppen es in der Stadt gibt und wo diese anzutreffen sind.

Bei den Randgruppen setze die Methode direkt vor Ort an: Die Kontaktaufnahme zu ihm erfolge freiwillig. Es sei ein eher passives Arbeiten, indem er sich durch Anwesenheit und Gespräche anbiete, betont der Diplom-Soziologe. Durch seine regelmäßige Präsenz, die er offen zeige und den Personen nicht mit einer moralischen Wertung begegne, könne sich langsam ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Ist diese Basis hergestellt, will Siegert den Personen auf deren Wunsch hin auch Hilfsangebote vermitteln. Denn: „Viele tragen einen richtig dicken Rucksack mit Problemen bei sich – und das über Jahre hinweg.“

Bei seinen ersten Kontaktaufnahmen habe er die ganze Bandbreite an Reaktionen erlebt, von großer Zurückhaltung über enorme Offenheit bis hin zur strikten Ablehnung.

Auch andere einschlägige Orte hat Siegert bereits aufgesucht, zum Beispiel das nächtliche Umfeld von Kneipen an Wochenenden. Auf problematische Gruppen oder Konfliktsituationen sei er dabei bislang nicht gestoßen. Allerdings könne das auch mit der Jahreszeit zusammenhängen: „Wenn die Temperaturen milder werden und sich Aufenthalte nach draußen verlagern, sieht das vielleicht schon anders aus.“

Von Karsten Tenbrink

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