Prozess gegen Robert K.: Mediziner hält Tritte ins Gesicht für wahrscheinlich

Beweise für Gewalt

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Symbolfoto

Uelzen/Lüneburg. Ein Zeuge hat bestätigt, dass Robert K. einem 42-jährigen Uelzener ins Gesicht getreten haben soll. Eine weitere Beobachterin hat ausgesagt, dass dem Opfer von mehreren Personen mehrmals gegen den Kopf getreten wurde.

Und gestern erklärte auch der medizinische Gutachter, dass die Art der Verletzungen des 42-Jährigen in der Nacht zum 2. Juli 2011 auf der Gudestorbrücke in Uelzen beweist, dass der Mann mindestens dreifach im Gesicht verletzt worden ist. „Wahrscheinlich gab es noch mehr Gewalteinwirkungen“, erläuterte Dr. Hubert Kampmann im Prozess gegen den 20-jährigen Robert K. wegen versuchten Totschlags im Landgericht Lüneburg anhand der Krankenunterlagen und der vorangegangenen Zeugenaussagen.

Es sei wahrscheinlich, dass die Brüche unter anderem im Stirnbereich und am Nasenbein sowie die Wunde zwischen Nase und Oberlippe, die genäht werden musste, durch Tritte zustande gekommen seien – anstatt durch Faustschläge. Die Verletzungen seien lebensgefährlich gewesen, weil die Gefahr bestanden habe, dass der 42-Jährige an seinem Blut erstickt. Damit bezieht er sich auf den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, dass Robert K. dem lebensgefährlich verletzten Mann ins Gesicht getreten haben soll. „Tritte kann man nicht beweisen“, erklärte Kampmann. „Nur wenn jemand am Boden liegt, ist es bequemer zu treten als zuzuschlagen mit der Faust.“

Wie berichtet, war der 42-Jährige, nachdem er einem Paar im Streit mit Mitgliedern der sogenannten Uelzener Douglas-Bande zu Hilfe gekommen sein soll, von dem bereits verurteilten Ismail N. mit einer Flasche beworfen worden und dabei zu Boden gesunken. Eine der Verletzungen und die Gehirnerschütterung des Mannes könnten hingegen durch den Flaschenwurf entstanden sein, so Kampmann.

Am gestrigen Verhandlungstag hat die 2. große Jugendkammer außerdem vorgetragen, dass Robert K. seit seinem 15. Lebensjahr schon mehrmals vom Amtsgericht Uelzen verurteilt worden ist. Ein Verfahren wegen Diebstahl sei gegen ihn eingestellt worden. Für sechs weitere Verhandlungen unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzungen, versuchter räuberischer Erpressung und gemeinschaftlicher Nötigung war der Angeklagte mit Strafen zwischen einer Woche Jugendarrest und einem Jahr und sechs Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Die jüngste Tat hatte er im November 2012 verübt – während er auf das Ergebnis seines Revisionsantrags gegen das Urteil des Landgerichts wartete, das in der ersten Instanz im Verfahren über den Vorfall auf der Gudestorbrücke gegen ihn ausgesprochen worden war.

Von Diane Baatani

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