„Bewahre uns vor der Gier“

Gereicht wurde der traditionelle Lammfleisch-Kohl-Eintopf.

Uelzen - Von Barbara Kaiser. Es war ein sehr heutiger Abend, auch wenn am Sonnabend in der Stadthalle eines Ereignisses gedacht wurde, das 613 Jahre zurückliegt. Das Uelzische Armenessen, nach dem Versprechen der Ratsherren der Stadt, als sie die Peiniger, ihre Landesherren, – also Politiker – , endlich los waren nach eineinhalb Jahren Belagerung, „für ewige Zeiten“ zu feiern, sammelte 6500 Euro an Spenden. Für die Armen des 21. Jahrhunderts in der Stadt.

So wie man damals die Bedürftigen nicht vergessen hatte beim Freudenfest und Hammel und Brot verteilte an sie, dienen die Einnahmen aus der Veranstaltung des Jahres 2010 dem Tagestreff Wiesenstraße, der Herberge zur Heimat Niendorfer Straße und der Essensausgabe im Katharina-von-Bora-Haus.

Traditionell ist ein Gottesdienst vor die Speisung gestellt. Premiere für Propst Jörg Hagen, der in seiner Predigt genauso die Gegenwart ansiedelte und auf die emotionale Debatte um die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze um fünf Euro hinwies. „Es ist unbestrittene Tatsache“, so Hagen, „es gibt wieder Arme in Deutschland.“ Und auch wenn politische Verantwortungsträger darauf hinwiesen, dass es sich in unserem Lande nicht um „absolute Armut“ handele, also keiner verhungern müsse, predigte der Propst zu den Folgen der „relativen Armut“, die Ausgrenzung und nicht mehr dazu Gehören bedeutete.

Die Bibel sei parteiisch, betonte Hagen, sie riefe auf zu Solidarität. Der Redner warb für einen würdevollen Umgang untereinander und das Aufeinanderzugehen auf Menschen, die der Hilfe bedürften. „Bewahre uns vor der Gier…“, hieß es in seinem abschließenden Fürbittengebet.

In der Stadthalle hielt Hagens Vorvorgänger im Amt, Propst Hans-Wilhelm Hube, einen Nachruf auf Wolfgang Mocek, der das Uelzische Armenessen mit seinem Verein Historisches Uelzen wiederbelebt hatte.

Er bezog sich auf die Trauerrede seines Kollegen Armin Sauer für den im Frühjahr Verstorbenen, die zum Thema „Einer trage des anderen Last“ gehalten worden war. „Wolfgang Mocek sorgte für einen Lastenausgleich in der Gemeinschaft“, so Hube sehr bildhaft. Der Abend des Beieinanderseins mit der Absicht der Wohltätigkeit wurde musikalisch angenehm und sehr professionell begleitet durch das Jazz Trio der Hochschule für Musik und Theater Hannover.

Der ebenfalls traditionelle Lammfleisch-Kohl-Eintopf war wieder ein Meisterwerk des Küchenchefs.

Viele Gespräche gab es am Rande, und vielleicht den einen oder anderen stillen Gedanken daran, dass man sich selbst auf der Sonnenseite des Lebens befinde...

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