Briefkastenfirmen versprechen angebliche Geldgewinne / Polizei warnt vor Abzocke in Uelzen

Betrug um eine königliche Kette

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Eine Vielzahl falscher Gewinnbenachrichtigungen kursiert derzeit in Uelzen. Damit versuchen betrügerische Briefkastenfirmen vor allem ältere Menschen übers Ohr zu hauen.

Uelzen. Unbedarfte Zeitgenossen würden Ursula K. (Name geändert) für einen echten Glückspilz halten. 2,875 Millionen hat die 80-jährige Uelzenerin angeblich bei der Verlosung der Firma „Asset Equalization Office“ gewonnen.

Weitere 17 512 Euro verspricht ihr eine Wahrsagerin namens Marie de Fortune als Lotteriegewinn. Und 2500 Euro stellt ihr „Hellseher Michael M. “ als Preis in Aussicht. Die Schreiben der drei Briefkastenfirmen an Ursula K. haben eines gemeinsam: Sie sind nach Ansicht von Polizei und Verbraucherzentrale reine Abzocke. Und die häuft sich derzeit im Kreis Uelzen.

„Meiner Mutter war sofort klar, dass da eine betrügerische Masche dahintersteckt“, sagt die Tochter der Seniorin im AZ-Gespräch. Denn die 80-Jährige spiele gar kein Lotto. Doch Ursula K. will andere Menschen warnen, die ebenfalls solche Schreiben bekommen haben. „Leute, die öfter mal Lotto spielen, könnten darauf reinfallen“, meint ihre Tochter.

Denn die vermeintlichen Gewinne haben einen Haken: Um 2,875 Millionen Euro einstreichen zu können, soll Ursula K. zunächst 60 Euro Bearbeitungsgebühr bezahlen. Auch Marie de Fortune schüttet ihr Füllhorn nur aus, wenn sie vorher 40 Euro erhält. Dafür bekommt der Gewinner aber auch „die sagenumwobene Lebensbaum-Kette der Königin von Saba“ als Dreingabe. Und Hellseher Michael M. verlangt 40 Euro „Mindestbeteiligung“. Von ihrem angeblichen Gewinn sehen die Betreffenden dann aber nichts.

Zur Vorsicht rät daher Antje Freudenberg, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen. Betrügerische Gewinnspiele seien weit verbreitet, sagt sie. „Am besten ignoriert man so was.“ Eine Anzeige bei der Polizei sollte aber nur erstattet werden, wenn man bereits Geld überwiesen oder unrechtmäßige Abbuchungen festgestellt habe.

„Bloß nicht darauf reagieren, das gehört in den Papierkorb“, empfiehlt auch Gabriele Peters, Pressereferentin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Die Briefe seien „eine dubiose Masche, um an persönliche Daten und das Geld der Leute zu kommen“. Wer bereits gezahlt habe, sollte die Überweisung sofort bei seiner Bank stornieren.

Doch wie sind die Betrüger an die Anschrift von Ursula K. gekommen? Vielleicht habe die Uelzenerin mal an einem Rätsel teilgenommen, vermutet Peters. Dann hätten legale oder dubiose Adressenhändler ihre Daten weiterverkauft. Ein weiterer Trick solcher Firmen: „Sie suchen sich im Telefonbuch gezielt Menschen mit älteren Vornamen heraus. Senioren sind nämlich eine Gruppe, die weniger argwöhnisch ist und sich aus Höflichkeit häufiger Dinge aufschwatzen lässt“, weiß Peters. Daher habe Ursula K. richtig gehandelt, als sie die Schreiben ignoriert habe.

Von Bernd Schossadowski

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