Ungebetener Besuch eines mutmaßlichen „Dachhais“ in Uelzen

Betrügerischer Dacharbeiter ertappt?

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Vorsicht, wenn Handwerker einfach klingeln – die Polizei rät alteingesessene Unternehmen aus der Region vorzuziehen.

Uelzen. Bei Charlotte Vianden war der „Dachhai“ an der falschen Adresse. Seine Masche zog bei der 62-jährigen Gesundheitsberaterin nicht.

Nach ein kurzen Internetrecherche, zwei Telefonaten mit der Polizei und Rücksprache mit ihrem Mann musste der selbsterklärte Schotte daher unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Angeboten hatte der große, blonde Mann, der gebrochen Deutsch, aber gut Englisch sprach und sich als Schotte bezeichnete, günstige Dacharbeiten. „Sehr freundlich“ sei er dabei gewesen, aber auch bestimmend. „Er sagte, dass er in der Nachbarschaft gearbeitet habe und noch Material übrig sei. Die Arbeiten würde er sehr günstig ausführen, sie seien aber nur heute möglich“, berichtete Vianden gestern gegenüber der AZ.

Die Uelzenerin hatte mehrere Gründe, um skeptisch zu werden: Zum einen war kein Handwerker bestellt. Ihr Dach sei zwar bemoost, aber Arbeiten nicht unbedingt nötig. Und – was der ominöse Handwerker nicht wissen konnte – Vianden hat selbst über vier Jahre in Schottland gelebt. „Er sprach eindeutig nicht mit schottischen Akzent“, erkannte sie daher.

Mit der Begründung, zunächst ihren Mann sprechen zu wollen, vertröstete sie den „Schotten“ vorübergehend und stieß im Internet auf eine Warnung vor betrügerischen Dacharbeitern – sogenannten „Dachhaien“ – der Polizei Bad Segeberg. Mit einer Personenbeschreibung, die sehr gut passte. Auch die Polizei Uelzen bestätigte Vianden, dass sich Vorfälle mit nicht bestellten Handwerkern derzeit häuften. Als der „Dachhai“ das zweite Mal bei Vianden klingelte, wies ihn der Ehemann entschieden ab.

Pressesprecher Kai Richter von der Polizeiinspektion Lüneburg teilte gegenüber der AZ gestern mit, dass entsprechende Handwerker in der vergangenen Woche vermehrt in Lüneburg aufgefallen seien – und seit Montag auch in Uelzen. Das Anbieten von Leistungen sei grundsätzlich nicht verboten. Die Polizei rate aber dazu, Vorsicht walten zu lassen, wenn Arbeitern nicht bestellt wurden: „Vermeintliche Schnäppchen werden schnell teuer“, so Richter. Unter anderem weil Vorauszahlungen für Material einkassiert würden und nicht zu Leistungen führten oder Leistungen nicht fachgerecht erbracht würden.

„Alteingesessene Unternehmen aus der Umgebung sind im Zweifel die bessere Wahl“, so Richter.

Von Steffen Kahl

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